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Jugend debattiert trotz(t) Corona

Mitten in einem Schuljahr, in dem wir wegen der Pandemie auf viele liebgewonnene Schulveranstaltungen verzichten müssen, fand am Donnerstag die Premiere eines an unserer Schule neuen Schulwettbewerbs statt: Jugend debattiert. Aber: Debattieren online – geht das überhaupt? Das Katharineum zu Lübeck hat am Donnerstag den 18.02 bewiesen: Ja, das geht!

Mit frischgebackenem Glasfaseranschluss in der Schule und Notfall-Telefonnummern der Debattierenden finden sich alle in BBB-Räumen zusammen, um die Schulrunde des diesjährigen Wettbewerbs auszutragen. Zuvor wurden Schüler*innen aus den Klassenstufen 9-11 in einer Unterrichtseinheit vorbereitet und die Teilnehmer*innen in Klassenwettbewerben ermittelt. Am Donnerstag ist es dann soweit. Die Debattierenden sind nervös, wir Zuschauer sind gespannt auf einen bereichernden Tag.

Die Veranstaltung beginnt im virtuellen „Plenum“. Nach einem kurzen Techniktest begrüßt Frau Gerresheim die Anwesenden, erklärt den Ablauf und die Regeln und bedankt sich bei den Debattierenden, dem Technik-Team und den Juroren inklusive Herrn Philippi, der sich, trotz seines Geburtstages, als Juror beteiligt.

Daraufhin bittet Frau Gerresheim alle Debattierenden auf die „virtuelle Bühne“ und sie schalten ihre Kameras an. Glücklicherweise führt das zu nahezu keinen technischen Problemen, ein erfreulicher Auftakt. Nach der Verkündung der Themen haben die Debattierenden Zeit, um sich vor dem großen Moment noch einmal untereinander abzusprechen. Es gibt drei virtuelle Räum, in denen eine Debatte des 9. Jahrgangs und zwei Debatten der Altersgruppe 2, also der Jahrgäng 10 und 11, stattfinden. Jede*r Teilnehmer*in debattiert in einer Hin-und Rückrunde über zwei verschiedene Themen. Der Tag ist mit sechs Debatten also ganz schön ereignisreich.

Der neunte Jahrgang beschäftigt sich in der Hinrunde mit der Frage: „Sollen auf Verpackungen von Fleisch- und Wurstwaren ‚Schockfotos’ von der Haltung der Tiere gedruckt werden?“ Zehnter und elfter Jahrgang diskutieren darüber, ob Oberstufenschüler künftig ein Recht auf Fernunterrichtstage haben sollen.

Besonders zu Anfang merkt man manchen Debattierenden die Nervosität an, für die meisten ist diese Erfahrung ganz neu. Schnell haben sich aber alle eingegroovt. Technische Probleme gibt es fast gar nicht und das seriöse Argumentieren fesselt uns schnell. Die Stimmung ist gut, alle sind vollkommen fokussiert. Das Ende der freien Aussprache kommt viel zu schnell, es gäbe noch viel zu sagen und auch die Schlussreden tun der Spannung keinen Abbruch. Als die erste Debatte vorbei ist, freuen wir uns bereits auf die zweite. Erst einmal berät sich aber die Jury und für uns steht eine kurze Pause an.

Nach der Pause bekommen die Debattierenden ein Feedback der Jury. Es dient dazu, Stärken zu würdigen und konstruktive Tipps zu geben, die sie kurze Zeit später in der Rückrunde anwenden können.

Dieses Mal stellen sich die Fragen: „Sollen Schüler*innen im Unterricht Musik hören dürfen?“ und „Soll bei sportlichen Großveranstaltungen auf Nationalflaggen- und Hymnen verzichtet werden?“ Beim zweiten Thema wird es politisch, einige Teilnehmer*innen können mit ihrem Hintergrundwissen punkten. So zitiert beispielsweise Leonardo Monte Külls aus dem Buch „Nationalismus“ von Kenneth Minogue: „Historischer Kontext und ein Blick in die Vergangenheit ist das einzige, was eine Nationalhymne vor der Absurdität bewahrt.“

Auch die zweite Debatte ist viel zu schnell vorbei und hinterlässt viele Anregungen zum Weiterdenken. Nachdem sich die Jury beraten hat und die Teilnehmer*innen ihr Feedback bekommen haben, gibt es eine Mittagspause, in der die Jury die schwierige Entscheidung der Platzierungen fällen muss.

Um 14:30 Uhr finden sich alle wieder im Plenum zusammen, um der von Frau Gerresheim moderierten spannenden Kundgebung der Sieger beizuwohnen. Die ersten beiden Plätze der Altersstufe I belegen Hanna Ahler und Sebastian Lescow aus der 9a, bei den Oberstufenschülern sind Hermann Schneiders aus der Q1d und Nelly Karpa aus der Ea erfolgreich. Sie sind damit auch direkt für den Regionalwettbewerb qualifiziert und können sich somit schon auf weitere Debatten am 17. März freuen.

Herr Philippi bedankt sich für das tolle Geburtstagsgeschenk eines guten Wettbewerbs und erklärt, wie wichtig es ist, seine Interessen formulieren und andere überzeugen zu können. Die Teilnehmer*innen berichten in einer kurzen Feedbackrunde von ihren Erlebnissen an diesem Tag. Aurelius Menzel aus der Q1d erwähnt, dass es ab und an bei der freien Aussprache dazu kam, dass man sich ins Wort fiel, die Debatten aber insgesamt auch digital spannend und bereichernd waren. Auch Marie Kurzinsky aus der Q1b ist trotz anfänglicher Nervosität zufrieden aus den Debatten gegangen. Carlos Krieger aus der Ea freut sich schon auf einen weiteren Debattierwettbewerb, der im nächsten Jahr hoffentlich in Präsenz stattfinden kann.

Nach diesen aufregenden Stunden können wir rückblickend sagen: Der erste digitale Schulwettbewerb von Jugend Debattiert war ein voller Erfolg!

Helena Teckenburg, Laura Davidsmeyer, Maria Strich