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Welche Hoffnungen und Befürchtungen verbinde ich mit dem Eintritt in die Oberstufe?

Ein weiteres Jahr ist nun fast um, was bedeutet, dass ein weiterer Jahrgang nun schon bald in die Oberstufe kommen und viel Neues erfahren wird. Wenn man an diesen neuen Lebensabschnitt denkt, verspürt man – so wie meistens bei etwas ganz Neuem – gemischte Gefühle. Die Klasse 9d hat sich innerhalb des Deutschunterrichts mit diesen Gefühlen befasst und so hat jeder einen Text darüber verfasst, was Gründe zur Freude aber auch Befürchtungen an diesen Abschnitt “Oberstufe” sein könnten. Der folgende Artikel ist ein Zusammenschnitt aus einigen der entstandenen Texte und zielt auf die größten Gemeinsamkeiten ab, denen sich andere Klassen so wahrscheinlich auch anschließen würden.

 

Als allererstes ist die Oberstufe natürlich ein neues System. Vieles verändert sich, man schreibt Klausuren statt Klassenarbeiten, bekommt Punkte statt Zensuren. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ich bald zur Oberstufe gehöre, manchmal fühle ich mich noch wie ein kleines Kind, das in der Grundschule sitzt und gerade schreiben lernt. Stattdessen komme ich morgen zur Schule mit dem einerseits erleichternden Gefühl, dass das Schuljahr bald vorbei ist, aber ich andererseits in 8 Wochen in einer anderen Klasse sitzen werde und sich alles verändert haben wird. Ich muss mich komplett neu organisieren, in jeglicher Hinsicht. Neues System, neue Lehrer und neue Mitschüler, womöglich kaum jemand meiner alten Freunde, die mich sonst bei allem unterstützt haben. Dazu kommt noch, dass sich das Abi plötzlich so nah anfühlt.

Sicherlich entstehen auch viele Zweifel, ob meine Leistungen in den letzten 9 Jahren gut genug waren, ob ich alles Grundlegende gelernt habe. Es wird eine Herausforderung sein, den Stoff zu lernen; das kann man sowohl positiv, als auch negativ sehen. Ich entscheide mich fürs Positive, es ist schließlich immer noch ein Privileg überhaupt zur Schule gehen zu dürfen und etwas lernen zu dürfen. Nicht zu vergessen: Wir alle verfolgen ein Ziel, das Ziel das Abitur zu schaffen, auch wenn es verschieden angelegt ist, also manche höhere, manche niedrigere Erwartungen an sich selbst haben. Und wenn man ein Ziel hat, sollte man dies auch verfolgen, egal welche Herausforderungen es mit sich bringt.

Der Druck ist hoch. Ob man ihn sich selbst macht, die Eltern oder die Lehrer. Man will niemanden enttäuschen. Das schlimmste wäre dann ein Blackout in den Klausuren. Das kann ich leider nicht beeinflussen, aber ich kann mich anstrengen, den Druck so wenig, wie nur möglich, an mich heranzulassen und einfach mein Ding durchzuziehen.

 

Diese Befürchtungen lassen mich nur an eines Denken: Ich wünschte man könnte die Zeit stoppen oder noch besser vielleicht etwas zurückdrehen. Andererseits sollte ich mich auch meinen Ängsten stellen und diese überwältigen.

 

Die Oberstufe verbreitet natürlich nicht nur Angst und Schrecken, sondern bietet auch einiges Gutes. Angefangen mit der Möglichkeit, Fächer abzuwählen, die man nicht mag oder nicht kann, was die Lust zur Schule zu gehen um Einiges steigert. Ich kann ebenfalls Fächer, die ich mag, auf höherem Niveau, als Profilfach oder Ähnliches belegen. Sicher, auch das war keine leichte Entscheidung, aber die ist schon getroffen und da brauche ich mir gar keine Sorgen zu machen, weil ich im Notfall immer noch Fächer oder – mit Glück – das ganze Profil wechseln kann, falls ich merke, dass dieses Fach nicht zu mir passt.

Auch neue Freiheiten erwarten mich sehnlichst. Ich werde in den Pausen das Gelände verlassen dürfen, ich werde ein Laptop frei im Unterricht nutzen dürfen, ich werde gesiezt werden, wenn ich möchte. Und das alles wird mich ein Stück erwachsener und eigenständiger fühlen lassen. Zu beachten sei ebenfalls die zu erwartend leichte Tasche, weil man nun nicht mehr zehntausend Mappen und Hefte hin- und hertragen muss.

Ich werde neue Freunde finden und meine alten nicht verlieren, denn auch das sollte man nicht vergessen: Das Leben sollte trotz dessen vor der Schule stehen und es ist auch nicht gut, den ganzen Tag zuhause zu sitzen und für die Schule zu lernen. Man sollte schon an die Zukunft denken und deshalb die Schule nicht für ein scheinbar stressfreies Leben aufgeben, aber man sollte auch sein Leben leben!

 

Doch falls ich mir wider Erwarten irgendwann dann doch zu viel Stress mache, dass ich mehr lernen muss und das Gefühl habe, dass ich nicht hinterherkommen oder mich nicht eingewöhnen werde, ist die zehnte Klasse dennoch eine Eingewöhnungsphase an die Oberstufe. Und man sollte auch nie vergessen: Es geht jedem aus deiner Klasse so, jeder hat Bammel vor den Themen, vor dem Abi, den Zensurenpunkten. Du bist nicht allein damit, und wenn alle diese Gefühle haben, scheint es doch normal zu sein, es wird wohl kaum die ganze Klasse das Abi in den Sand setzen, sondern aus diesen Befürchtungen lernen, das beste daraus machen und sich schnell an die neue Situation gewöhnen.

Das Leben ist voller neuer Abschnitte und ohne wäre es auch etwas langweilig. Diese Veränderungen sollte man also genießen und ich freue mich auf das Gefühl, sagen zu können: „Ich bin in der Oberstufe!“

 

 

Die Oberstufe,

schon sehr nah sind die Rufe,

doch wie wird es mir ergehen?

Ich hoff‘, ihr könnt meine Sorge verstehen.

 

Einerseits denke ich mir,

dass viele Freiheiten ich dann hab‘ hier,

doch denk‘ ich länger drüber nach,

ist es wahr, was ich grad sprach?

 

Die Kindheit zieht dort an uns vorbei,

wir fragen nicht mehr, ob etwas in Ordnung sei,

wir starten unsere eigenen Wege,

sitzen nicht mehr im kindlichen Gehege.

 

Doch damit steigt auch die Verantwortung,

auch wenn wir nicht kennen ihre Bedeutung.

Sie lastet auf unseren Schultern schwer

Und belastet uns nach jeder Tat noch mehr.

 

Und wenn die Zeit in der Oberstufe so schnell wie jetzt verrennt,

dass man fast gar nicht mehr den richtigen Weg kennt,

dann wünschte ich auf irgendeine Weise mir,

dass ich noch länger kann bleiben hier.

Zusammengetragen für die 9d

von Jean K.