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Journalismus macht Schule – Julia Stein besucht die 9d

Am 02.06.2021 hatten wir, die 9d, das Glück, Julia Stein bei uns willkommen zu heißen. Frau Stein ist Leiterin der Redaktion Politik und Recherche beim NDR Schleswig-Holstein in Kiel. Die Redaktion berichtet täglich im Fernsehen, im Hörfunk und online. Frau Stein hat einen längeren Weg im Journalismus hinter sich: Sie arbeitete beim kritischen Medienmagazin ZAPP und recherchierte als eine der 400 internationalen Redakteur:innen an den Panama Papers.

Wir hatten also Gelegenheit, ihr in unserem Unterricht Fragen zu den verschiedenen Themen zu stellen. Insgesamt haben wir unsere Fragen in vier Themenbereiche unterteilt: Journalismus als Beruf, Tagesablauf eines Journalisten/einer Journalistin, journalistisches Schreiben und Umgang mit Fake News.

Julia Stein hat uns erzählt, warum sie Journalistin geworden ist. Ihre Gründe dafür sind unter anderem, dass sie besonders viel Spaß daran habe, neue Menschen und Themen kennenzulernen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Schon früh habe sie gerne Zeitung gelesen. Außerdem habe sie ein großes Interesse an Politik und sich deswegen für diesen Bereich entschieden. Ihre Lieblingsmedien seien die Süddeutsche Zeitung, da sie besonders die fundierten Recherchen faszinieren, die Tagesschau und die Regionalmagazine. Auch die BILD würde sie auf eine einsame Insel mitnehmen, sagt sie, da diese fast immer einen bestimmten Nerv in der Bevölkerung treffe.

 

Journalismus als Beruf:

Julia Stein ist der festen Überzeugung, dass man Journalist:in werden könne, wenn man es wirklich will und ein großes Interesse daran hat. Dann gebe es kein falsches Alter, nicht zu wenig Erfahrung oder einen unpassenden Studiengang. Es sei nämlich durchaus gut, wenn man sich in einem bestimmten Fachgebiet besonders gut auskennt. Dafür müsse man nicht Journalismus studiert haben, auch mit einem Chemiestudium könne man als Journalist:in erfolgreich werden. Oder auch mit einem Jura-Studium. Ohnehin sei juristischer Rat wichtig im Journalismus. Eine Redaktion komme bei heiklen Recherchen nicht ohne juristische Unterstützung aus. Zum Beispiel immer dann, wenn ein Artikel eine Person des öffentlichen Lebens betreffe oder wirklich etwas enthülle. Je nach öffentlichem Interesse und Beleglage würden bei Recherchen auch Namen genannt, jedoch werde auch das Recht dazu vor der Veröffentlichung (juristisch) überprüft. Es sei von unschätzbarem Wert in Deutschland, dass es Presse- und Meinungsfreiheit gebe, sagt Frau Stein mit Blick auf andere Länder wie Russland oder China. Natürlich gebe es im Netz viele negative und Hass-Kommentare; jedoch gebe es in Deutschland für Journalist:innen kaum eine reale Gefahr, verfolgt zu werden.

Die richtige Frage sei immer schon die halbe Miete, so die NDR Journalistin, über die Beschaffung von Informationen, z.B. in einem Interview. Ganz wichtig sei es, vor jeder Veröffentlichung, die betroffene Person einmal mit den Vorwürfen zu konfrontieren. „Stimmt es, dass…“ sei dabei die erste Frage. Jeder, über den etwas geschrieben werde, habe ein Recht auf Stellungnahme. Das heißt, er oder sie kann dann seine Version der Geschichte darlegen.

 

Tagesablauf eines Journalisten/einer Journalistin:

Vielleicht kommt bei dem einen oder anderen die Frage auf, was man als Journalist:in eigentlich so den ganzen Tag macht und wie man mit schwierigen Situationen umgeht. Die NDR-Reporterin berichtet von ihrem Tag, der bei ihr, als Leiterin einer Abteilung, natürlich noch ein bisschen anders verläuft als der eines Schreibenden: Morgens findet eine Konferenz im kleinen Team statt, in der die Themen und anstehenden Artikel besprochen werden. Im Anschluss hat Julia Stein in ihrer leitenden Funktion noch eine weitere Konferenz mit den anderen Abteilungsleiter:innen. Währenddessen schreiben und recherchieren die anderen Mitarbeiter:innen. Julia Stein erzählt, dass sie auch selbst immer wieder gern berichtet und die Dinge und Menschen in Augenschein nimmt. Auch, wenn das bei ihr als Leiterin (ähnlich wie bei einem/einer Schulleiter:in das Unterrichten) eher etwas kürzer kommt.

Wir haben gefragt, wie mit dem Stress, ständig neue Themen finden zu müssen, umgegangen wird. Ihre Antwort darauf ist, dass aufgrund der Teamarbeit, Stress gemeinsam bewältigt werde. Die Zeit, um neue Artikel zu schreiben, sei  dabei ganz unterschiedlich. Manchmal habe man Tage, manchmal Wochen oder bei langen Recherchen sogar Monate Zeit. Eine weitere Herausforderung sei es, beim Berichten möglichst neutral zu bleiben. Frau Stein erzählt dazu, dass sie sich als kleine Übung immer einmal vergegenwärtige, ob sie so auch über andere Themen berichten würde, zu denen sie keine starke eigene Meinung vertrete. Wenn sie beispielsweise über eine Partei schreibe, stelle sie sich vor, ob sie auf dieselbe Weise über eine andere Partei schreiben würde.

 

Journalistisches Schreiben:

Natürlich hat Frau Stein uns auch noch ein paar Tipps zum Schreiben gegeben. Vor einem Bericht solle man sich immer fragen, ob dieses Thema viele Menschen betrifft, und falls nicht, ob es trotzdem etwas ist, was viele Menschen interessieren könnte, oder es ein großer Missstand ist, der aufgedeckt werden müsse. Besonders gut sei es natürlich, wenn einen die Geschichte selbst interessiert. Man solle jedoch auch in der Lage sein, sich in andere Positionen hineinzuversetzen. Überschriften sollten ansprechend sein und zum Lesen verleiten. Jedoch gebe es dafür keine Faustregel, da die Themen und dementsprechend auch die Überschriften sehr verschieden sein können. Sie selbst würden am liebsten Reportagen und Berichte lesen, hören und sehen, bei denen es gelingt, sich als Leser:in ein eigenes Bild und ein eigenes Urteil zu machen.

 

Fake News:

In einem Gespräch über Journalismus taucht natürlich auch das Thema Fake News auf. Hierbei sei zu unterscheiden, ob Informationen bewusst falsch berichtet werden oder ob es schlicht um fehlende Gründlichkeit geht. Denn manchmal schaukelten sich falsche Informationen regelrecht hoch und würden immer wieder geteilt, so dass niemand mehr den Ursprung der Meldung nachverfolgen kann. Ein Tipp von Julia Stein ist, dass man immer die Quelle oder die von der Information Betroffenen herausfiltert. Außerdem sollte man sich zunächst einfach überlegen, ob diese Meldung glaubwürdig ist und wahr sein könnte.

Interessant zu wissen ist außerdem, dass aus unserer Klasse ca. 95 % als meistgenutztes Informationsmedium den Account der Tagesschau auf Instagram angeben. Einige nannten auch das Schleswig-Holstein Magazin im Fernsehen, die Zeitung (hauptsächlich die LN) und unterschiedliche Kanäle im Radio.

 

Vielen Dank für Ihren Besuch, Frau Stein, und dafür, dass Sie Ihre Erfahrungen und Ihr Fachwissen mit uns geteilt haben. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!

Mavie Vidal und Sarah Brachetti aus der 9d