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Unisex-Toiletten – Nur ein Traum oder bald Realität?

Selten konnte man im Vorfeld einer KSV so viel Interesse für einen Antrag beobachten, wie bei diesem. Die Rede ist vom Antrag des Gleichberechtigungsausschusses der SV, der ein neues Toilettenkonzept vorschlägt und eine Testphase mit veränderten Geschlechterzuteilungen der Schüler*innentoiletten fordert.

Die Idee ist es, die Toiletten in der Mensa für alle Geschlechter zu öffnen und die Pissoirs mit zusätzlichem Sichtschutz zu ergänzen. Um jedoch ein ausgewogenes Konzept mit möglichen Rückzugsorten zu schaffen, soll die kleine Toilette bei der Aula zu einer abschließbaren Einzeltoilette umgebaut und die Toiletten im Glockengießer-Gebäude zusätzlich zur binären Geschlechtertrennung für non-binäre Schüler*innen geöffnet, nicht jedoch zu Unisexttoilette erklärt werden.

Warum wurde aber dieses Konzept entwickelt?

Binäre Geschlechtertrennung von Toilettenräumen schließt nicht-binäre/diverse/ inter*/trans* Menschen aus.

Hier spielt vor allem die tägliche Konfrontation damit, dass es für die eigene Identität keinen Platz gibt (hier: kein Toilettenschild und keine Toilettenräume) und dass man außerhalb der Norm bzw. des „Normalen“ liegt, eine große Rolle. Weder Männer- noch Frauentoiletten passen, wenn man sich gar nicht oder (noch) nicht eindeutig zuordnen kann oder möchte.

Zusätzlich ist ein Prozess des Umdenkens in einer sehr binär denkenden Welt, in der Geschlechterrollen immer noch klar definiert sind und ein Ausbruch aus ihnen mit viel Diskriminierung und Unsicherheit verbunden ist, sehr wichtig. So ist ein neues Toilettenkonzept auch ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Sexismus und weitere Formen der Diskriminierung.

Natürlich ist jede Veränderung auch mit vielen Punkten verbunden, die berücksichtigt werden müssen, damit sich die Schüler*innenschaft langfristig wohl fühlt, so muss das Konzept zusätzlich folgendes beinhalten:

  • Schutzräume für Kinder/Jugendlichen, um das Recht auf Intims- und Privatsphäre zu wahren und vor sexuellen Grenzverletzungen und Übergriffen, sexueller Belästigung und sexuellem Missbrauch zu schützen
  • Schutzräume für Mädchen/Frauen vor allem während der Menstruation
  • Schutzräume für diverse Kultur- und Religionsverständnisse
  • Schutzräume für Menschen mit Missbrauchserfahrungen

Gerade die Kombination aus Schutztoilette, Unisextoiletten und nur nonbinär-geöffneten Toiletten deckt so eben diese Ansprüche ab; in welchen Maßen kann natürlich diskutiert werden.

Wie wohl sich die Schüler*innen auf den Toiletten jedoch fühlen würden, ist nicht leicht zu beurteilen, weshalb der abzustimmende Antrag auch nicht dieses Konzept beschließt (wozu die KSV auch nicht in der Lage wäre), sondern sich nur für eine zeitlich begrenzte Testphase des Konzeptes ausspricht. Eine anschließende Auswertung der Testphase kann so Einblick in die Gefühlswelt der Schüler*innenschaft bieten, die realistisch von den Änderungen abhängig sind und nicht alleine auf Spekulationen beruhen.

Außerdem kann das Konzept so auf seine Standhaftigkeit geprüft werden und verbessert werden. So lässt sich ein realistisches langfristiges Konzept entwickeln, das die Bedürfnisse der Schüler*innen bestmöglich abdeckt.

Natürlich ist in der Debatte nicht nur die Sicht der Schüler*innen sondern auch die der Eltern als Erziehungsberechtigte und Lehrer*innen als Schutzbefohlene wichtig. So wird das Konzept der Testphase auch von dem Schulelternbeirat abgestimmt. Das endgültige Konzept, soll dann auf der Schulkonferenz abgestimmt werden, in der Eltern, Lehrer*innen und Schüler*innen gleichermaßen vertreten sind.

Vor dem Start in eine Testphase wird das Konzept vom Schulleiter juristisch geprüft. Diese Prüfung erfolgt z.B. hinsichtlich Fragen des Kindeswohles, des Minderheitenschutzes und der Gleichberechtigung.

Es ist wichtig, zu solch großen Themen informiert ins Gespräch zu kommen. Auch wenn schon viel herumgeschickt worden ist und viele Gespräche geführt worden sind, ist natürlich der Anspruch gegeben, möglichst viele zu erreichen. Gerade jüngere Schüler*innen mit weniger Vorerfahrung in der Thematik müssen aktiv in den Prozess eingebunden werden.

Wir werden uns bis zur KSV und darüber hinaus für einen regen und konstruktiven Diskurs einsetzen und hoffen, noch mehr Teilnehmenden der Schulgemeinschaft an der Debatte zu beteiligen.

 

Der Gleichberechtigungsausschuss der SV