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Politik zum Mitmachen – Schüler im Dialog mit Landtagsabgeordneten

Politik zum Mitmachen – Schüler im Dialog mit Landtagsabgeordneten

Am 12. Mai verwandelte sich unsere Aula für einen Tag in einen lebendigen politischen Marktplatz: Vier Landtagsabgeordnete aus Schleswig-Holstein trafen auf die Klassen 9c und 10b, um im Projekt „DialogP“ direkt mit Schülerinnen und Schülern über aktuelle Themen zu debattieren. Zu Gast waren Annette Röttger (CDU), Jasper Balke (Grüne), Sophia Schiebe (SPD) und Bernd Buchholz (FDP). Ziel des Projekts ist es, politische Entscheidungsprozesse greifbar zu machen und unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen — ein Ort, an dem Argumente nicht abstrakt bleiben, sondern Wirkung entfalten.

Im Zentrum standen vier von den Schülerinnen und Schülern vorgeschlagene Leitfragen:

  1. Soll Schleswig-Holstein eine Altersgrenze von 16 Jahren für Social-Media-Nutzung gesetzlich festlegen und deren Einhaltung kontrollieren?
  2. Sollen alle Schulen verpflichtend einwöchige Winterferien im Februar erhalten?
  3. Soll die Massentierhaltung durch schrittweise gesetzliche Obergrenzen pro Betrieb eingeschränkt bzw. verboten werden?
  4. Sollen strengere Mindeststrafen für rechtsextreme Straftaten eingeführt und konsequenter verfolgt werden?

Die Abgeordneten wechselten an vier Thementische, präsentierten jeweils 15 Minuten ihre Standpunkte und gingen unmittelbar auf die Argumente der Jugendlichen ein. So entstand ein intensiver, respektvoll geführter Austausch — keine bloßen Monologe, sondern ein echtes Zwiegespräch, in dem Positionen vorgestellt, geprüft und hinterfragt wurden. Für Schülerinnen und Schüler war es die erste Chance, mit Landtagsabgeordneten persönlich ins Gespräch zu kommen. So „auf Augenhöhe“ miteinander reden zu dürfen, war für viele von uns das ganz Besondere an diesem Tag. Das Format DialogP verdeutlicht also, wie wertvoll der direkte Kontakt zwischen Politik und Jugend ist.

Durch die Veranstaltung führten als Schülermoderatoren Zeynep Kar und Nico Triantafyllou (9c), Mathilda Wulf und Josephine Rohr (10b). Zum Einstieg erzählten die Gäste in einer Talkrunde, was sie in die Politik geführt hat. Sophia Schiebe erklärte, dass der Wunsch nach Gerechtigkeit und sozialer Teilhabe für alle ihre Motivation war, sich politisch zu engagieren. Jasper Balke erkannte im Medizinstudium, dass politische Entscheidungen mehr an der Lebenswelt junger Menschen gemessen werden sollten und Gesundheitspolitik eng mit Klimaschutz verknüpft ist. Bernd Buchholz hob den liberalen Grundgedanken individueller Freiheit hervor. Und Annette Röttger setzte sich dafür ein, dass Schüler an authentischen Orten und mit Entscheidungsträgern zusammengebracht werden.

Nach intensivem Austausch an den Thementischen trafen sich alle im Plenum der Aula. Offene Fragen wurden gestellt, zentrale Pro- und Kontra-Argumente der einzelnen Thementische strukturiert zusammengetragen und gemeinsam reflektiert. Schließlich gab es zu jedem Thema eine Abstimmung, wobei sich die Positionen der verschiedenen Parteien deutlich voneinander unterschieden, die von Schülern und Abgeordneten teilweise. Alle Teilnehmer konnten die Veranstaltung mit vielen Denkanstößen verlassen. Die Ergebnisse wurden dokumentiert und an die Abgeordneten übergeben. Nun besteht die Chance, dass ausgewählte Vorschläge und Gedanken der Schülerinnen und Schüler in politische Beratungen einfließen und im kommenden Wahlkampf erneut aufgegriffen werden — ein Samen, der vielleicht später Früchte trägt.

Tatsächlich lud die CDU-Fraktion inzwischen eine Expertengruppe aus dem 10. Jahrgang zu einer Anhörung im Kieler Landtag ein. Linnéa Schäfer, Daniel Stosberg, Mathilda Wulf und Johan Schneider durften dort ihre Maßnahme zu einer Regulierung von Social Media für unter 16-Jährige vorstellen und mit echten Abgeordneten diskutieren.

Die Abgeordneten Balke, Schiebe und Röttger signalisierten, dass die den Vorschlag einer Einführung von Winterferien in Schleswig-Holstein mit ihren Fraktionen prüfen möchten. Schleswig-Holstein ist eines von acht Bundesländern, in denen es bisher im Februar keine einwöchigen Winterferien gibt. Vielleicht findet die Idee sogar ihren Weg in das eine oder andere Wahlprogramm. Eine Pause zwischen den Halbjahren und die gleichmäßigere Verteilung der Belastungsphasen im Schuljahr würden viele Schüler und Lehrkräfte im Norden begrüßen – in unserer DialogP-Veranstaltung war am Ende eine klare Mehrheit dafür.

Im Anschluss an die Diskussionen führten Joud Nser Edin, Maja Böttcher und Sabeth Künzel kurze Interviews mit allen Landtagsabgeordneten.

Interview mit Annette Röttger (CDU)

Frage: Haben Sie in Ihrer Schulzeit erlebt, dass Jugendliche politisch unterschätzt werden?

Annette Röttger: Ja, diesen Eindruck hatte ich teilweise schon. Gerade in Schülerparlamenten oder anderenBeteiligungsformen wurden die Meinungen junger Menschen nicht immer ausreichend berücksichtigt. Deshalb finde ich denAustausch zwischen Jugendlichen und Politik besonders wichtig.

Frage: Wie kann Schule junge Menschen besser auf gesellschaftliche Verantwortung vorbereiten?

Annette Röttger: Besonders wichtig ist der Politik- und Wirtschaftsunterricht. Gerade ab den höheren Klassenstufen solltengesellschaftliche und politische Themen stärker behandelt werden. Außerdem sind Veranstaltungen wie DialogP wertvoll,weil sie den direkten Austausch mit Politikerinnen und Politikern ermöglichen.

Frage: Welche Eigenschaft aus Ihrer Schulzeit hilft Ihnen noch heute im Alltag?

Annette Röttger: Besonders hilfreich sind für mich Fähigkeiten wie das eigenständige Erarbeiten von Themen und das freieReden vor anderen Menschen. Beides begleitet mich bis heute in meinem beruflichen und politischen Alltag.

Frage: Welche Fähigkeiten brauchen junge Menschen heute mehr denn je?

Annette Röttger: Ich denke, dass es besonders wichtig ist, auch in Zeiten großer Veränderungen zuversichtlich und hoffnungsvoll zu bleiben. Gleichzeitig sollten junge Menschen offen für Neues sein und den Mut haben, sich aktiv einzubringen.

 

Interview mit Jasper Balke (Bündnis 90/Die Grünen)

Frage: Was erhoffen Sie sich vom heutigen Tag?

Jasper Balke: Ich freue mich auf gute Diskussionen und darauf, die Meinungen der Schülerinnen und Schüler kennenzulernen. Es ist mir wichtig zu sehen, wie politische Argumente bei jungen Menschen ankommen und weitergedacht werden.

Frage: Wie kamen Sie zu Ihrer Partei?

Jasper Balke: Während meines Medizinstudiums wurde mir klar, dass Gesundheit und Klimaschutz eng zusammengehören. Wenn wir den Klimawandel nicht stoppen, können wir langfristig keine gesunde Gesellschaft erhalten. Klimaschutz ist für mich deshalb immer auch Gesundheitsschutz.

Frage: Was macht Ihre Partei aus?

Jasper Balke: Die Grünen stehen für Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit. Wir wollen gute Lebensbedingungen nicht nur für heute, sondern auch für kommende Generationen sichern. Politik muss langfristig denken und Verantwortung für die Zukunft übernehmen.

 

Interview mit Sophia Schiebe (SPD)

Frage: Wo erleben Sie aktuell die größten Ungleichheiten im Bildungssystem?

Sophia Schiebe: Die größten Ungleichheiten sehe ich nach wie vor darin, dass der Bildungserfolg vieler Kinder stark vom Elternhaus abhängt. Nicht alle haben die gleichen Startbedingungen oder die gleiche Unterstützung. Unser Ziel muss sein, dass jedes Kind unabhängig von seiner Herkunft die Chance bekommt, seine Talente zu entfalten.

Frage: Wie wichtig ist Chancengleichheit für eine funktionierende Demokratie?

Sophia Schiebe: Chancengleichheit ist eine Grundvoraussetzung für eine funktionierende Demokratie. Wenn Menschen das Gefühl haben, dass sie unabhängig von ihrer Herkunft die gleichen Möglichkeiten haben und ihre Stimme zählt, stärkt das den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Frage: Gab es in Ihrer eigenen Schulzeit ein Thema, das Sie politisch geprägt hat?

Sophia Schiebe: Ja, besonders bildungspolitische Fragen haben mich schon früh beschäftigt. Ich habe mich damals mit Themen wie Bildungsgerechtigkeit auseinandergesetzt und auch an Bildungsdemonstrationen teilgenommen. Das hat mein politisches Interesse stark geprägt.

Frage: Welche Fähigkeiten brauchen junge Menschen heute mehr denn je?

Sophia Schiebe: Junge Menschen sollten lernen, kritisch zu denken, sich eine eigene Meinung zu bilden und für ihre Überzeugungen einzustehen. In einer Zeit voller Informationen ist es wichtiger denn je, Dinge zu hinterfragen und Verantwortung zu übernehmen.

Interview mit Bernd Buchholz (FDP)

Frage: Was erhoffen Sie sich vom heutigen Tag?

Bernd Buchholz: Ich freue mich auf spannende Diskussionen zu Themen, die von Schülerinnen und Schülern vorbereitet wurden. Das macht solche Veranstaltungen besonders interessant, weil man ungefiltert mit jungen Perspektiven konfrontiert wird.

Frage: Wie fanden Sie die ausgewählten Themen?

Bernd Buchholz: Einige Themen sind klassische Dauerbrenner in der Politik. Die Frage zur Massentierhaltung ist wichtig, aber sie begleitet die politische Debatte schon seit vielen Jahren. Trotzdem sind alle Themen diskussionswürdig, weil es vor allem auf die Argumente ankommt. Entscheidend ist nicht das Thema selbst, sondern wie gut eine Position begründet wird.

Frage: Wie kamen Sie zur FDP?

Bernd Buchholz: Ich bin direkt nach dem Abitur in die FDP eingetreten. Mich hat der Liberalismus überzeugt – die Idee, dass die Freiheit des Einzelnen dort endet, wo die Freiheit anderer beginnt. Diese Balance zwischen Freiheit und Verantwortung prägt meine politische Haltung bis heute.

Interview mit der Schülerin Josephine Rohr aus dem Moderationsteam

Frage: Josephine erst mal wie fandest du’s?

Josephine: Ich fand es eine wirklich sehr sehr tolle Veranstaltung. Sowas erlebt man ja nicht jeden Tag mit den Abgeordneten zu sprechen, war eine große Ehre und das hat einfach die Gemeinschaft noch mal gestärkt, dass wir als Schülerinnen und Schüler auch gemerkt haben, dass wir nicht nur also dass wir keinen Redebeitrag haben und dass wir keine Stimme haben, sondern dass uns da diese Stimme gegeben wurde, dass wir mit dem Abgeordneten direkt sprechen durften. War einfach sehr toll und ich finde es hat uns allen so den Horizont bisschen erweitert. Wir haben ja jetzt auch am Ende der Diskussion schon bemerkt, dass ein Thema, das mit den Winterferien später auch vielleicht noch weiter bearbeitet wird. Das war ja auch ein großes Ziel von uns. Und ich finde es war einfach ganz toll mal was Neues und mir hat’s Spaß gemacht. Ich würde’s immer wieder machen.

Frage: Welche Themen haben dir am besten gefallen?

Josephine: Das Thema Rechtsextremismus und ob das stärker verfolgt und bestraft werden sollte. Da gab es sehr gemischte Meinungen bei uns am Tisch also vor allem von den Abgeordneten gab es da viele Pro und Kontra Argumente. Und es waren ein guter Austausch, was jetzt genau an den anderen Thementischen passiert ist kann ich so nicht ganz sagen. Ich glaube, da sind auch viele differenzierte Meinungen herausgekommen und ein sehr interessanter Austausch hat stattgefunden. Bei mir am Tisch hat das alles sehr gut funktioniert. Es war ein respektvoller Umgang und interessant mal die Meinung auch von so Abgeordneten zu hören das hört man ja auch nicht alle Tage. Zu Winterferien und Massassentierhaltung hatte ich schon eigene Meinung, bei dem Thema Rechtsextremismus, womit ich mich dann auch intensiver beschäftigt habe, würde ich auch sagen, dass es interessant mal war, da die Meinung der Abgeordneten zu hören, die dann auch mal noch neue Punkte eingebracht haben aus ihrer Politik und ihren bisherigen Berufsleben, die mir vorher noch nicht ganz so klar waren. Und ja einfach sehr interessant, deren Meinung zu hören und dann auch diese Debatte zu führen. Da kann auf jeden Fall der Horizont erweitert werden.

 

Wir danken allen Abgeordneten ganz herzlich für ihre Offenheit, ihre Zeit und ihre Gesprächsbereitschaft!

Ein Dank gilt auch Frau Gerresheim, die DialogP in diesem Jahr zu uns ans Katharineum geholt hat und uns eine lebensnahe Begegnung mit Politik ermöglichte sowie Isabella, Michel und Robert, die Kuchen für das Buffet spendiert haben und unserem großartigen Technik-Team, das die Veranstaltung professionell begleitet hat.

Redaktion des Website-Teams

 

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