Reist mit nach Oslo! Mit diesem Reisetagebuch erhaltet ihr jeden Tag neue Eindrücke von der Oslo-Fahrt!
Montag, 16. Februar/ Dienstag, 17. Februar 2026
Wir danken sehr herzlich dem Bund der Freunde des Katharineums, der Engelbert und Hertha Albers-Stiftung, der Kulturmark am Katharineum und besonders der Michael-Haukohl-Stiftung, die uns immer wieder großzügig unterstützt.
Ohne unsere Förderer wäre diese Reise nicht möglich gewesen!
Sonntag, 15. Februar 2026
Der Sonntag ist in unserem Projekt immer einerseits der Ruhetag, weil der Vormittag in den Familien verbracht wird. Da gibt es dann verschiedene Aktivitäten draußen im Schnee und drinnen in Ruhe.
Das ist bald vorbei, denn für uns begann die Arbeit um halb eins mit dem Räumen und dem Transport der Instrumente in die Vestre Aker Kirke. Dort mussten dann 200 Stühle bewegt und neu arrangiert werden, um Platz für das Orchester und das Publikum aufeinander abzustimmen.
Als alle unsere Musikerinnen und Musiker Platz genommen und gestimmt hatten, gab es die letzte Probe; eine Pause und dann um 17 Uhr das Konzert.
Mit etwas mehr als 100 Gästen im Publikum war die Kirche gut gefüllt.
20! Gleich zweimal: 20! war in großen goldenen Zahlen über unseren Köpfen zu lesen, weil das Projekt mit dem heutigen Konzert sein 20-jähriges Jubiläum begeht.
Unsere Kollegin und Freundin Silje Gotaas eröffnet das Konzert mit einer kurzen Ansprache.
Das Programm läuft gut und die passende, dankbare Akustik der Kirche kommt uns freundlich entgegen.
Die Leiterin der Kulturskole, zu der das Vestre Aker Strykorkester gehört, würdigt die Leistung Siljes und des Elternbeirats, der das Orchester trägt.
Wir erwidern mit einem herzlichen Dank.
Nach dem Konzert haben die Eltern zum Buffet geladen, es wird gegessen, gespielt und getanzt. Die Stimmung ist ausgelassen und wir alle feiern den guten Erfolg des Projektes.
Morgen ist Montag. Es geht auf die Fähre nach Hause.
Sich ausruhen heißt auf Norwegisch “slappe av”. Das behalten wir uns für die Fährfahrt vor. Und da werden wir die Zeit dazu haben.
Samstag, 14. Februar 2026
Es ist morgen, die Temperaturen liegen gerade bei -17° und der Himmel ist stahlblau. Der Blick auf den Oslofjord, den wir haben, kann auf keiner Postkarte schöner sein.
Der Weg zur Probe ist mit Vorsicht zu genießen: immer ist es glatt, die Straßen und Fußwege sind mal geräumt, mal schwierig. Hier regt sich kein Mensch darüber auf. Jedermann nimmt die wetterbedingten Umstände, wie sie kommen und wie sie sind.
Heute beginnt die Probe später, erst 10.30 Uhr beginnen wir mit der Probe, nur zwei Kranke – nichts Dramatisches, der Tag für die beiden beginnt einfach noch etwas später und sie sind gut betreut bei den Gasteltern. Eine Stärke des Projektes ist, dass die Verantwortlichkeiten von allen angenommen werden und Unterstützung niemals weit ist.
Der Probenplan sieht Vivaldi als erstes Stück vor. Musikalische Bilder einer Jagd, einer Ernte, unwirtlichen Wetters gilt es zu verwirklichen und präsentabel aufzubereiten. Wir arbeiten. Und das ist gut so: das angestrebte Niveau wird tatsächlich in Teilen erreicht, in Teilen beinahe. Gut ist, dass unsere Jugendlichen an ihre Grenzen geführt werden. Eine Unterforderung wäre sehr schnell langweilig.
Unser Programm – hatte ich mich dazu schon geäußert?
„Vielfältig wie das Leben“ könnte darüber stehen. Der Wunsch, einerseits „ernste“ und „große“ Musik zu machen ist sichtbar in Vivaldi, Schubert und Marquez. Die Jugendlichen wünschen sich immer auch Filmmusik. Dagegen ist auch nichts zu sagen, sondern auch die fordert uns alle und ist originell, vielfältig und -farbig.
Natürlich gehören – Tradition, Tradition! – auch Arrangements dazu, die aus dem Repertoire unserer Bigband stammen und die immer wieder neu von unserem Kollegen Schult für das große Orchester arrangiert bzw. instrumentiert werden.
In der großen Pause, nach dem gemeinsamen Mittagessen, unternehmen die Jugendlichen gemeinsam eine Rallye in „gemischten Gruppen“ – also männlich, weiblich, Streicher, Bläser, norwegisch, deutsch. Mehr Mischung geht nicht! Die Sonne scheint immer noch, die Temperaturen sind gestiegen auf -9° und die Tour durch das angrenzende Naherholungsgebiet
Zwei Teams kommen als Gewinner ins Ziel und gewinnen – Schokoladenherzen.
Die Bigband gibt zum Ende der Pause ein kurzes Intermezzo; aus purer Lust am Zusammenspiel.
Der weitere Tag verläuft arbeitsam; das ist manchmal eine Herausforderung an Geduld und Konzentration der Mitwirkenden; wen wundert’s?
Die allermeisten unserer Jugendlichen halten mit Geduld und guter Laune „tapfer“ durch. Denn wer ein Konzert geben will, der muss gut proben. Und das geschieht und unsere Ergebnisse werden besser.
Nach einer letzten Pause geht es dann in den verdienten Feierabend und in die Familien.
Wir als Leitungsteam dürfen uns auf eine Einladung zu „Bettina“ freuen. Hier in Norwegen haben alle Menschen erst einmal nur Vornamen – ich reiche den Nachnamen später nach.
Bettina ist Musikerin „wie Du und ich“ und inzwischen im Ruhestand. Sie hat in Teilen deutsche Wurzeln, hat die wenigste Lebenszeit aber in Deutschland verbracht, ist in der Welt herumgekommen, hat auf verschiedenen Kontinenten als Musikerin und Lehrerin gearbeitet und unsere Partnerschaft vor 20 Jahren begründet. Von ihr ging die Initiative aus und sie wurde auf ihrer Suche mit Kooperationspartnern im Katharineum fündig. Mit unserem Kollegen Dietmar hat sie das Oslo-Lübeck-Projekt vor zwanzig Jahren ins Leben gerufen.
Das ist der Anlass für sie, Herrn Hampel und unsere aktive Kooperationspartnerin Silje Gotaas gemeinsam mit uns zum Abendessen einzuladen. Wir freuen uns darauf!
So endet dieser Tag, wie soll es sein, nach der letzen Note mit gemeinsamem Aufräumen, bevor alle den Heimweg in die Familien antreten.
Wir verbringen einen herzlichen Abend mit Bettina und Joh-Arthur, ihrem Mann; einem emeritierten Physik-Professor.
Wir erfahren sehr viel über Geschichte und Geschichten der vergangenen zwanzig Jahre; über Konzerte, einzelne Schülerinnen und Schüler und ihre Biographien.
Wir freuen uns auf unser Jubiläumskonzert morgen und erwarten gerne unsere Gäste.
(22.58 Uhr)
Freitag, 13. Februar 2026
“… und dass man sich eigentlich an nichts gewöhnt”
Angesichts von Traditionen nicht so leicht, wo das Katharineum doch in diesem Jahr schon 20 Jahre den Oslo-Austausch mit dem Vestre Aker Strykorkester durchführt.
Heute war wieder, zum Kontrast, das Neue Norwegen dran, denn wir haben die neue Oper besucht, die in diesem Jahr erst in ihrer 18. Saison arbeitet.
Begonnen hatte der Tag früh, weil unsere jugendlichen Partner heute ihren letzten Schultag vor den Winterferien absolvieren. Aufstehen vor sieben!
Wir treffen uns zu einer “Nur-Schulorchester-Katharineu-Probe”, weil unsere Partner natürlich noch nicht zur Verfügung standen.
Das war gut, einige Dinge musikalisch in einer kleineren Besetzung zu pflegen und zu putzen.
Danach unternahmen wir dann den Besuch in der Oper mit zwei deutschsprachigen Führungen. Ein Gebäude, das in ein ehemaliges Industriegebiet direkt ans Wasser des Hafens gebaut ist und in vielen Elementen aussieht, wie ein im Wasser versinkender Eisberg. Innen weiß aus Carrara-Marmor, ein Gebäude, das sich mit sehr vielen, sehr großen Fensterflächen sehr nach außen öffnet und als besonderen Akzent mit einer großen runde Sichtwand aus heller Eiche gegen den Theatersaal abgrenzt.
Einige unserer Jugendlichen, denen unser Theater in der Beckergrube bekannt oder sogar vertraut ist, konnten einen interessanten Vergleich ziehen: allein die unglaubliche Größe aller Räumlichkeiten hat uns alle sehr beeindruckt.
Die anschließende freie Zeit nutzten unsere Jugendlichen in einer größeren Gruppe, um die Neue Bibliothek in Oslo zu besuchen, zu erleben und zu genießen: Lesebereiche in einer unglaublichen Vielfalt, Bereiche, um mit Kleinkindern zu spielen, sich auszuruhen – und unglaublich viele Bücher und andere Medien im Zugriff in einem Ambiente, dass zum Lesen, Studieren oder Forschen nicht besser geschaffen sein könnte.
In kleinen Gruppen genießen alle die freie Zeit und wir treffen uns am Probenraum zum “Umzug”: es geht in den Stadtteil und die Nähe der Kirche, wo wir Sonntag unser Konzert geben werden.
Weil unser Probenraum die kleine Sporthalle einer Grundschule ist und wir den Grundschulbetrieb nicht stören konnten, war dieser Raum nicht eher frei, als am Freitagnachmittag.
etzt also sind alle da und es sind tatsächlich an die einhundert Kinder und Jugendliche, die in manchen Stücken gleichzeitig musizieren.
Proben, Musik machen: wir werden langsam besser! Wo anfangs die Intonation manchmal noch etwas “rustikal geprägt” war und wo das Zusammenspiel eher Ausdruck eines eher wilden Individualismus hatte – Einsätze, Geschwindigkeiten, Lautstärken, Artikulationen, Striche (soll ich weitermachen?) …
Wo es anfangs also noch nicht SOOO gut lief, kommt jetzt langsam das Zusammenspiel zum Zug. Instrumentengruppen formen sich zu Stimmen und artikulieren gemeinsam und überzeugend.
Pausen wollen verdient werden und werden verdient!
Und wie bei uns in Lübeck, wenn wir unsere Gäste aus Oslo zu Besuch haben, sind es auch hier sehr engagierte Mütter und Väter, die uns liebevoll mit Obst, Suppen, Pizza, Kuchen und Getränken versorgen.
Wir bedanken uns sehr bei den Eltern, die dann zum Lohn auch noch die Küche wieder aufräumen dürfen! Warum sollte es hier anders sein, als bei uns in Lübeck?
Zum gemeinsamen Ausklang dieses langen Tages wird gemeinsam gespielt und gesungen: Tradition!
“… das einem die Dinge neu bleiben”
Wir singen und genießen den Ausklang.
Morgen beginnt der Tag nicht schon um halb sieben. Wir dürfen ausschlafen und sehen uns erst um 10.30 Uhr. Manche Dinge nimmt man dann auch sehr dankbar an.
Wenn es so weiter geht, haben wir alle Grund, uns auf morgen zu freuen.
Und das mache ich auch.
(23:58 Uhr)
Donnerstag, 12. Februar 2026
“Aber wichtig ist, dass einem die Dinge neu bleiben und dass man sich eigentlich an nichts gewöhnt.”
Dieses kluge Zitat von Thomas Mann hängt im Eingang unserer Schule. Es ist mein Motto: alle Jahre unterrichte ich Musik und Geschichte, alle Jahre dieselben Altersstufen – die Jugendlichen aber sind immer neu!
Unsere Oslo-Reise ist es auch! Immer neu für uns alle, denn keiner erlebt diese Reise ein wie das andere Mal.Die nach Kiel, das Ankommen an der Fähre …
Sind alle da, haben alle ihre Papiere – und schon gehen die Überraschungen los und die besonderen Herausforderungen.
Wir meistern alles und am Ende ist tatsächlich einmal “alles gut”
Viele schöne Erlebnisse an Bord, die traditionelle Chorprobe für eine Zugabe und mehr. Einmal schlafen – einige sicher mehr als andere …- und schon ist Frühstück und die wunderbare Einfahrt in den Oslofjord.
Wir treffen auf Silje, unsere Partnerin und Kollegin in Oslo und auf den “ewigen” Jens, einen aussergewöhlich liebenswerten Vater aus dem Unterstützerkreis des Vestre Aker Strykorkester; wir kennen uns jetzt schon seit Jahren und freuen uns herzlich, uns wieder zu sehen!
Jens verlädt unser Gepäck, sechs unserer “starken Jugendlichen” begleiten ihn zu unserem Probenraum und wir machen uns auf den Weg zum Schloss. Ein paar Informationen zu Norwegen als Königreich, seine besondere Geschichte und sein besonders volksnahes Königshaus.
Dann haben wir eine Führung im Nobel-Friedensmuseum. Unsere Jugendlichen sind sehr interessiert und es kommt die Katharineums-typische Frage: können wir länger bleiben? Leider kaum …
Noch ein kleines Kapitel: wir gehen zum Denkmal für die Opfer des Attentas auf Utoya vom 22.7.2011. … Ein Ort der Information und des Gedenkens.
Wir machen eine freie Mittagspause, die die Jugendlichen in kleinen Gruppen nutzen dürfen und machen uns auf den Weg zu unserer ersten Probe.
Eine sehr positive, aufgeräumte, fröhliche Atmosphäre entfaltet sich und einige unserer jugendlichen Partner aus Oslo sind auch schon da. Mit der Zeit werden es mehr und am Ende sitzen wir da mit einem stattlichen Sinfonieorchester: sicher 50 bis 60 Streicher, alle unsere Bläser, Bass, Gitarre, Schlagzeug …
Wir machen Musik, wir arbeiten, wir haben wirklich Spaß.
Die Pausen sind mindestens genauso wichtig und es entstehen Kontakte.
Gasteltern kümmern sich um ein opulentes Angebot an Obst und Pizza, Pizza, Pizza … alle werden satt.
Am Ende werden wir abgeholt, unsere “Kinder” auf die Familien in Oslo verteilt, der Saal leert sich und wir können ein paar Handgriffe aufräumen.
Unseren Feierabend haben wir uns alle verdient.
Vertraut, neu, bekannt, nichts Gewohntes; so darf es weiter gehen und wir freuen uns darauf.(21.47 Uhr)


















































































