Anlässlich der neuen Raumnummerierung im Schulgebäude des Katharineum haben wir uns gefragt: Warum beginnen die Klassenräume plötzlich bei 046 und nicht mehr wie früher bei 005?
Im Zuge neuer Brandschutzvorschriften mussten die Räume im Gebäude neu benannt werden und dabei wurden die Raumstrukturen des Katharineums mit denen der Stadtbibliothek zusammengelegt. Diese Entscheidung wirkt auf den ersten Blick eher ungewöhnlich, aber sie ergibt doch Sinn, wenn man die gemeinsame Geschichte betrachtet.
Lange bevor es Schule und Bibliothek in ihrer heutigen Form gab, stand an diesem Ort das Katharinenkloster. Teile dieses mittelalterlichen Klosters sind bis heute erhalten und werden sowohl vom Katharineum als auch von der Bibliothek genutzt. Der heutige Scharbausaal zum Beispiel, der sich im Teil der Stadtbibliothek befindet, diente bereits im Jahr 1350 als Schlafsaal der Mönche. Unter den Dielen befindet sich noch immer der originale Klosterboden, der heute durch kleine Glasfenster sichtbar ist.
Mit der Reformation wurde das Fransiskanerkloster aufgelöst und in seinen Gebäuden das Katharineum gegründet. Schon früh entstand die Idee, eine Bibliothek einzurichten. Dieser Gedanke geht unter anderem auf den Reformator Johannes Bugenhagen zurück, doch erst Anfang des 17. Jahrhunderts wurde dieses Vorhaben konkret umgesetzt.
1616 begannen die Planungen und die ehemaligen Klosterräume wurden für die neue Nutzung umgebaut. Wichtige Impulse kamen von Georg Stampelius und dem damaligen Rektor des Katharineums, Johann Kirchmann. Herr Kirchmann wurde später auch der erste Leiter der Bibliothek, da die Leitung der Stadtbibliothek in ihrer frühen Zeit allgemein von Lehrkräften des Katharineums übernommen wurde. Verschiedene Buchbestände aus Kirchen, Rat und Schule wurden zusammengeführt und im ehemaligen Dormitorium, also dem früheren Schlafsaal des Klosters, untergebracht. Im Jahr 1622 wurde die Bibliothek schließlich für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Von Anfang an sind das Katharineum und die Lübecker Stadtbibliothek also eng miteinander verbunden gewesen, sowohl durch ihre räumliche Nähe als auch durch ihre gemeinsame Entwicklung. Über viele Jahrhunderte hinweg wurde die Bibliothek von Lehrkräften des Katharineums neben ihrer Unterrichtstätigkeit geleitet, sodass sich beide Institutionen eng verbunden weiterentwickelten und teilweise auch dieselben Gebäude nutzten.
Bis heute ist diese Verbindung im Stadtbild gut sichtbar, denn die Gebäude bilden einen zusammenhängenden Komplex, zu dem auch Teile der Katharinenkirche gehören. Dass die Räume heute gemeinsam nummeriert sind, ist daher kein Zufall, sondern zeigt, wie stark Schule und Bibliothek historisch miteinander verwachsen sind.
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