„Slamer sind Dichter, wütende Dichter, traurige Dichter — aber hey, danach geht‘s einem einfach besser! Mein Kopf ist keine Kiste, er ist ein Schatz und immer wenn ich schreibe, schaffe ich mir Platz. Merkt euch diesen Satz! Poetry-Slam ist der einzige Kampf, wo niemand verliert und auf dem Platz nur die Liebe regiert“, reimte einer der talentierten Slamer:innen am 18. Juni 2026 bei dem diesjährigen Schulpoetry-Slam.
Ausgetragen wurde dieser im Schuppen 6 und feierte dieses Jahr sein dreijähriges Jubiläum. Seit ganzen drei Jahren treten jeweils zwei Schüler:innen aus dem Johanneum, dem Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasium, der Friedrich-List-Schule, der OZD, der Geschwister-Prenski-Schule und dem Katharineum gegeneinander an, slamen ihre Text vor großem Publikum und nehmen es mit in eine Welt der Worte, der Emotionen, der Schauspielerei.
Wie auch in den letzten Jahren war die Halle des Schuppens 6 wieder gut gefüllt: Freunde, Familie und Interessierte waren gekommen, um sich die Texte der Slamer:innen anzuhören. Zuvor hatte es an den teilnehmenden Schulen einen schulinternen Workshop und Wettbewerb gegeben, um gemeinsam das Slamen zu erlernen und jeweils zwei vielversprechende Schüler:innen auszuwählen, um sie für die eigene Schule antreten zu lassen. Dieses Jahr wurde das Katharineum von den beiden Zwölftklässlerinnen Lamar Aljabie und Lilian Langhans vertreten.
Mit einem „Lasst das Kopfsteinplaster unter euren Füßen beben!“ begrüßten Thilo zusammen mit Antonia, die „zwei Moderatoren im Doppelpack“, das Publikum. Um den Wettbewerb möglichst fair zu gestalten, wurden die Texte von einer literaturafinen Jury, die Punkte von 1-10 vergeben konnte, bewertet. Aber die Rangliste der Slamer:innen lag nicht nur in den Händen der Jury — auch das Publikum konnte mit lautem Klatschen und Rufen die Jurymitglieder beeinflussen.
Der erste selbstverfasste Wettbewerbstext, den das Publikum an diesem Abend zu hören bekam, hieß „Minute 1“ und ging um die Frage, wie viel wir in unserem Leben eigentlich warten. Der Text beschrieb humorvoll den Gedankengang eines Menschen, der im Wartezimmer eines Hals-Nasen-Ohren-Arztes ungeduldig auf seinen Termin wartet. Es begann der Slamer mit den Worten: „Es ist sehr gut, dass es heute so warm ist. Dann kann ich den Nervösitätsschweiß einfach auf das heiße Wetter schieben.“ Doch von dieser Nervösität bekam das Publikum gar nichts mit, weder beim ersten Text noch bei den folgenden Slamer:innen, die ebenfalls voller Selbstvertrauen und Leidenschaft auftraten.
Inhaltlich hätten die Text nicht unterschiedlicher sein können. Slamer:innen schrieben über ihre Erfahrungen in der Schule, über die Ungewissheit nach dem Abitur, über Beziehungen und Freundschaften. Auch über Feminismus, Rassismus und andere politische Themen wurde geslamt. Zwischendurch wurden die ernsten, emotionalen Texte jedoch etwas aufgelockert, beispielsweise durch Texte wie „Gans oder gar nicht“. Vorgetragen wurde dieser Text von einem Slamer, der mit einer großen Gans auf dem T-Shirt auftrat und von seinen Erfahrungen beim Weihnachtsessen zu Hause berichtete. Dabei slamte er Verse wie: „Nein, Brigitte, ich will von der Gans weder Bein noch Titte“, „Mit 67 in Rente, da wird sogar die Gans zur Ente“ oder „Da kriegt man ja Gänsehaut!“, brachte das Publikum zum Lachen und äußerte sich so zwischen Reimen und Wortspielen zu gesellschaftspolitischen Themen.
An diesem Abend hörte das Publikum aber nicht nur gesprochenes Wort, sondern auch Gesang. Ein A-Capella-Chor des Katharineums füllte die Halbzeitpause mit den Songs „La vie en rose“ und „Dream a little dream of me“, die sie zu dritt mehrstimming sangen. Auch hier zeigte sich nicht zum ersten Mal an diesem Abend, wie viele talentierte und engagierte Jugendliche es in Lübeck eigentlich gibt!
Nach der Halbzeitpause herrschte große Freude unter den Katharineumsfans: Lamar hatte sich nämlich für die Finalrunde, bei der die drei Slamer:innen mit der höchsten Punktzahl einen zweiten Text vortragen, um den entgültigen Gewinner des Abens festzulegen, qualifiziert — zum allerersten Mal in der Geschichte des Slamens am Katharineum! Auch hier spannte sich der Bogen inhaltlich wieder von ganz persönlichen Themen über die eigene Identität und Herzschmerz, bis hin zu einem Text über die Liebe zum Slamen. Doch leider reichte es Lamar nicht für den ersten Platz. Sie belegte schlussendlich den dritten Platz in der Gesamtwertung — eine Platzierung, über die man sehr stolz sein kann. Herzlichen Glückwunsch!
Das Schlusswort des Abends gehörte noch einmal den beiden Moderatoren. Sie bedankten sich beim Publikum und verabschiedeten sich mit einem kurzen, aber nicht weniger herzlichen „Peace!“
Und auch wir bedanken uns: Einmal natürlich bei allen engagierten Schüler:innen, die mit viel Mut und Begeisterung an diesem Wettbewerb teilgenommen haben. Außerdem gilt Frau Bünger ein großer Dank, die die Slamerinnen des Katharineums als Vertrauenslehrerin begleitete und mit ihrem Engagement Jahr für Jahr die Teilnahme des Katharineums an diesem besonderen Wettbewerb ermöglicht.
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