Nun liegt schon fast ein Jahr nach dem Abitur des Jahrgangs 2025 zurück. Bezüglich dieses Anlasses hatten wir Herrn Kaffka interviewt, da er dies das erste Mal als Profillehrkraft erleben konnte. Mit etwas melancholischen Rückblick folgt nun also das Interview mit Herrn Kaffka.
Seit wann unterrichten Sie am Katharineum und wie kam es dazu?
Ja, darauf hätte ich mich vorbereiten können. (lacht) Februar 2014, glaube ich.
Welche Fächer unterrichten Sie – und wie kamen Sie gerade auf diese Fächer?
Latein habe ich schon geliebt, bevor ich es hatte. Ich habe mich aus Vernunftgründen noch für Französisch entschieden in der siebten Klasse. (Also aus meiner Sicht waren das damals Vernunftgründen.) Letztendlich war es, glaube ich, auch Gruppendynamik. Meine ganze Klasse hat Französisch gewählt, dann habe ich es halt auch gemacht. Und das war auch schön. Ich freue mich, dass ich Französisch kann. Aber in der neunten Klasse hatte ich dann Latein. Und da wollte ich auch schon Lehrer werden. Vorher schon, da war es erst Biologie und Französisch. Dann hat es immer gewechselt. Aber Latein wurde dann schnell die Leidenschaft und dann war am Ende die Frage, welches das zweite Fach wird. Das ging immer hin und her. Ich wollte auch Geschichte studieren. Ich finde also viele Fächer spannend. Und dann war meine ursprüngliche Idee Latein, Biologie und Geschichte. Da wurde mir aber gesagt, dass man in die Praktika in Bio nicht so leicht rein kommt, deswegen sollte ich mich dafür einschreiben und Geschichte kann man dann auch so nebenbei machen. Das wurde dann aber schnell auch Leidenschaft und für Geschichte hatte ich von Anfang an keine Zeit. Das war ein bisschen schade, aber dafür habe ich jetzt eben Biologie und Latein.
Warum kam Griechisch später dazu?
Das waren dann erstmal die Fächer und in Ratzeburg habe ich mein Referendariat gemacht. Dort war mein Mentor der letzte Griechischlehrer und dann war so die Idee, dass es schön wäre, dieses Fach zu erhalten. Ich hatte das Graecum im Studium für Latein nachgeholt und auch da war ich schon sehr angefixt, spätestens nach dem Odyssee-Seminar war das Feuer schon ziemlich groß. Dann habe ich gedacht, dann könnte ich das doch nachholen. Und als ich gehört habe, dass ich ans Katharineum kann, dachte ich, wie cool das ist, da ich dann sogar Homer noch in der Oberstufe lesen kann. Danach war es gesetzt: Dann habe ich Griechisch noch nachgeholt.
Gab es ein Schlüsselerlebnis, das Sie in den Lehrerberuf gebracht hat?
Nee, ich glaube, das ist ein längerer Prozess gewesen. Ich hatte immer irgendeinen Beruf im Kopf, schon seitdem ich über Berufe nachdenken kann, sogar vor der Grundschule noch. Und dann, ab der 8. Klasse, war es dann immer mehr der Lehrerberuf. Und da hatte mich am Anfang noch eher so etwas angesprochen, wie dass man zum Beispiel mit Kreide an die Tafel schreiben kann. Das ist jetzt nicht mehr so der primäre Grund. Gibt es ja auch nicht mehr. Die Gründe haben sich verschoben, aber der Wunsch war, bis auf eine Woche in der Oberstufe, wo ich Förster werden wollte, immer klar.
Mit dem Abiball ist das Schulleben wirklich beendet – wie haben Sie diesen besonderen Abend erlebt? Das war ja für Sie als Profillehrkraft in der Form das erste Mal.
Ja, das ist auf jeden Fall nochmal was anderes. Ich genieße den Abiball eigentlich immer, weil ich das schön finde, so nach all der getanen Arbeit irgendwie das zu feiern, und dieses Zeremonielle, das gemeinsame Erleben dieses Abschlusses hat immer Gewicht. Aber das ist tatsächlich nochmal anders, wenn das die Klasse ist, für die man dann auch verantwortlich war. Beidseitig ist dann auch die Dankbarkeit höher und da ist irgendwie mehr passiert. Das war einfach noch gewichtiger und noch schöner.
Wie haben Sie das Schuljahr mit dem Lateinprofil erlebt?
Also generell muss ich gestehen, dass mich ganz persönlich mein Datenverlust (Tablet samt Noten zum Halbjahreswechsel sind abgerauscht; Anm. d. Red.) in der Arbeit sehr geprägt und viel gekostet hat. Aber es ist eben schön zu erleben, dass drumherum doch alles irgendwie läuft. Und das geriet dann, nachdem das irgendwann akzeptiert war, am Anfang des Kalenderjahres auch in den Hintergrund und ich habe mich wieder darauf gefreut, jetzt eben diese Arbeit mit euch abrunden zu können. Mit Lateinprofil, Bio-Kurs und Rede auf der Abiturentlassung hatte ich dann schon ziemlich viel zu tun. Es war ein sehr, sehr anstrengendes Jahr. Also die Anstrengungen, die ich die Jahre davor hatte, die habe ich mir ja selbst aufgebürdet mit dem Griechischstudium, aber das war jetzt wirklich so im Rahmen der Routine, die ich für die nächsten Jahre plane, ein Peak nach oben. Aber wenn das dann am Ende alles irgendwie gelaufen und geschafft ist und dann der Abiball am Schluss nochmal dazukommt, wo wir es auch gemeinsam feiern, dann ist das auch ein sehr gutes Gefühl.
Gab es besondere Herausforderungen?
Also ich finde, das Abitur ist immer für sich auch herausfordernd, weil es aufregend ist und Gewicht hat. Aber leider wird der Fokus dann auch ein bisschen von diesem eigentlich spannenden Inhaltlichen verschoben. Es ist dann doch oft die Frage, was prüfungsrelevant ist. Für mich dann auch die Frage, habe ich alles vorbereitet, habe ich an alles gedacht, seid ihr gut vorbereitet worden von mir? Das stresst dann auch ein bisschen. Wenn dann die Prüfungen aber laufen und in den Prüfungen deutlich wird, wie tief ihr die Materie auch teilweise durchdrungen habt, was für Ideen ihr habt oder wie ihr auch mit Rückschlägen sehr reif teilweise umgeht; und das eben auch als das nehmt, was es ist, eben eine Prüfung, die man so oder so bestehen kann oder nicht bestehen kann; dass man das eben dann nimmt, wie es kommt – das ist dann irgendwie auch schön.
Was bleibt Ihnen am meisten in Erinnerung – vielleicht ein Moment mit der Klasse?
Das finde ich wirklich schwierig, weil das ganz viele Momente sind. Es ist ja nicht so, dass ein Moment irgendwie die Bombe platzen lässt, sondern diese Beziehung, die sich über die vielen kleinen Momente aufbaut. Das ist ja das, finde ich, was für mich großes Gewicht hat. Und ich hätte viele Szenen im Kopf, aber ich würde ungern eine rausnehmen, weil das dann eine verzerrende Betonung wäre. Das ist ja irgendwie das Schöne, dass wir gemeinsam fachlich arbeiten und dann dabei aber immer wieder diese menschlichen Momente erleben, das Lachen über irgendeinen Quatsch, irgendeinen Fehler, der witzig ist. Ja, oder eben aber auch beim Fachlichen, wenn von den Schüler:innen tolle Ideen kommen und man da richtig eintaucht und auch eine neue Perspektive wieder gewinnt, die ich in meiner Routine vielleicht gar nicht mehr so habe. Oder, was auch oft vorkommt, ist, dass ich auch bestimmte Gedanken vergesse. Wenn sie dann wiederkommen und mir neu vorkommen, ist das auch toll.
Würden Sie beim nächsten Profil etwas anders machen?
Also, einmal denke ich immer noch über Cicero nach. Es wird ja immer wieder “De Amicitia”. Und ich überlege, ob ich das vielleicht akzeptieren muss, dass das für Schüler das Interessante ist. Ich selber fand Rhetorik in der Schule auch langweilig, also die Idee von Rhetorik; wir hatten nie richtig Rhetorik. Ich bin im Studium dann erst entflammt worden, weil ich gesehen habe, wie viele ethische, wichtige Fragen mit Rhetorik auch verknüpft sind und wie relevant das ja auch ist, wie zum Beispiel bei meiner Abi-Rede. Da habe ich noch gedacht, schade, dass wir nicht Rhetorik gemacht haben, vielleicht hätte es mir geholfen, aber es hat ja so auch geklappt. Und vielleicht muss ich das dann einfach auch akzeptieren, dass “De Amicitia” einfach da ein wichtiges Thema ist und das ist ja auch nachvollziehbar. Und es ist ja auch spannend. Also vielleicht sollte ich dabei bleiben. Und bei Terenz muss ich noch weiter überlegen. Wenn ich den ganz frei zur Wahl gestellt habe, wurde er immer abgelehnt. Ich hatte jetzt aber den Eindruck, dass viele von euch den auch doch mochten. Also wenn ich es zusammenfasse, dann muss ich ein bisschen darüber nachdenken, wie viel Wahlfreiheit ich gebe und wie viel ich doch manchmal vielleicht einfach machen sollte, weil ich dann doch sehe, dass es irgendwie spannend ist. Aber da bin ich noch nicht richtig bei einer Lösung.
Sie engagieren sich ja noch bei sehr vielen anderen Sachen, zum Beispiel beim Tag der altsprachlichen Schulen. Wie kam es dazu und was machen Sie dort?
Ich glaube, Herr Philippi hatte den Impuls. Weiß ich nicht mehr genau. Also auf jeden Fall kam der Impuls auf, dass wir uns wieder vernetzen sollten, weil das die Schulen schon mal gemacht haben, vor meiner Zeit. Frau Saage kennt das noch aus der Zeit von Herrn Schmittinger, das war dann irgendwie eingeschlafen, ich weiß gar nicht wann. Die Idee fanden alle gut und dann haben wir das gemacht und von Herrn Philippi kam aber auf jeden Fall der Impuls mit diesem Tag altsprachlicher Schulen. Da gab es durchaus auch kritische Gedanken, weil das ja schon sehr viel Aufwand ist und die Frage des Nutzen dann immer im Raum steht. Und ja, irgendwie hat sich aber doch schnell eine Mehrheit gefunden, dass wir das probieren wollen und wir wollten damit auch die Öffentlichkeitswirksamkeit mitnehmen. Tatsächlich fand ich es aber dann wertvoll zu sehen, wie Schüler:innen gemeinsam über Schleswig-Holstein hinweg die alten Sprachen erleben; in vielen fachübergreifenden Kontexten dann auch. Im Nachhinein finde ich, dass es sich auf jeden Fall lohnt.
Wieso sind Sie beim Bund der Freunde: Was machen Sie dort und wie kam es dazu?
Herr Fust ist schuld! 😉 Der hat mich mit seinem Charme hineingeredet. In einer Phase, in der ich das auf keinen Fall hätte machen dürfen, weil ich da noch kurz vor dem Master in Griechisch stand und auch noch die Fachschaft übernommen hatte. Also eigentlich genug. Aber irgendwie hatte ich da gerade so ein Höhengefühl, dass ich das schon irgendwie schaffe. Also der Bund der Freunde ist eine wertvolle Geschichte, aber ich bin ja Kassenwart geworden und das ist schon eine Verwaltungsaufgabe, die einfach mit viel Arbeit verbunden ist. Und das habe ich dann aber auch sieben Jahre gemacht. Also nachdem ich mit Griechisch dann durch war, war das auch machbar. Wir profitieren ja in ganz vielen Kontexten vom Bund der Freunde. Die Griechenlandfahrt, die mir besonders auch immer Freude macht. Aber viele andere Projekte eben auch, werden dadurch finanziert. Und ein bisschen macht mir sowas auch Spaß. Listen pflegen und sowas mache ich eigentlich ganz gern. Aber ich bin dann doch ganz froh gewesen irgendwann, dass ich die abgeben konnte, weil es insgesamt doch einfach zu viel ist. Und jetzt bin ich eben noch im Beirat und das finde ich ganz cool, weil ich mitbekomme, was wir machen. Aber ich habe nicht mehr den hohen Verwaltungsaufwand.
Jetzt kommen die ein bisschen random Fragen, aber wenn sie Schülern irgendeinen Satz auf den Weg geben könnten. Was wäre es?
Nosce te ipsum (“Erkenne Dich selbst!” Anm. d. Red.) – ist auf jeden Fall wichtig. Es ist immer schwer, wenn man das auf einen Satz reduzieren muss, dann müsste man überlegen, was ist das Wichtigste? Errare, humanum est (“Irren ist menschlich.”) finde ich auch sehr entlastend und oft hilfreich.
Frage an die Zukunft: Wird Latein auch in 20 Jahren noch unterrichtet und warum sollte es das?
Ja. Also, 2000 Jahre hat es Latein jetzt geschafft. Und je länger es dauert, desto mehr rechtfertigt sich das dadurch eigentlich auch wieder selbst. Das kann man natürlich auch als Gegenargument nehmen, aber dadurch prägt Latein eben über 2000 Jahre schon unsere Kultur. Was ich dann standardmäßig gerne zitiere ist Odo Marquard. Der hat gesagt: “Je mehr die Zukunft das neue wird, desto mehr vertrauten Geist sollst du in die Zukunft mitnehmen.” Und das bieten die alten Sprachen. Ich glaube, dass sogar die Relevanz zunimmt aus mehreren Gründen. Einmal, wenn wir das sprachdidaktisch betrachten: Dann ist es so, dass die modernen Fremdsprachen immer mehr zum intuitiven Sprechen gehen, was auch total richtig und sinnvoll ist, dass man in einen Sprachfluss kommt, ins aktive Sprechen. Umso mehr finde ich dann aber wichtig, dass wir das Sprachanalytische und die Reflexion abdecken und das tun wir massiv.
Dann, wenn wir angucken, wie sich Intelligenz entwickelt: Das scheint ja so zu sein, dass die Konfrontation mit den modernen Medien und dem Dopamin-Dauerfeuer durch kurze Videos und ähnliche Impulse, dass das unser Gehirn sehr belastet und wir tatsächlich seit ungefähr 15 Jahren letztlich immer “dümmer” werden. Die Dinge, die wir in Latein tun, sind genau das, was gut gegensteuert. Das tun wir auch in Mathe und in anderen Fächern und in allen Fächern tun wir das eigentlich. In allen Fächern, wo wir ausdauernd nachdenken, analysieren, auch auswendig lernen, also Vokabeln lernen. Es ist tatsächlich nicht nur so, dass wir damit Wissen ansammeln und eine Festplatte vollpacken, sondern unsere Hardware verändern. Also je mehr wir wissen – das ist anders als beim Computer – desto besser laufen die synaptischen Verknüpfungen und desto intelligenter werden wir tatsächlich. Und das bietet auch Latein.
Und letztendlich bleibt es so, dass Latein und Griechisch die Überträger sind von den ursprünglichen Gedanken, die unsere Kultur eben geprägt haben. Also es macht einfach deutlich, wo wir herkommen und gibt allem mehr Tiefe. Ich glaube, es geht auch ohne, aber dann wird es oberflächlicher. Das wäre doch schade.
Fragengewitter
Lieblingsfach in der Schule?
Ja, Griechisch, Latein, Bio.
Lieblingstier?
Großer Panda.
Lieblingsautor?
War lange Vergil. Ich würde sagen Homer oder Ovid.
Lieblingswerk?
Odyssee oder Metamorphosen.
Lieblingsjahreszeit?
Sommer.
Frühaufsteher oder Langschläfer?
Langschläfer, sehr.
Meer oder Berge?
Meer. Ostsee. Nur Ostsee.
Lieblingssport?
Bouldern, Yoga, Radfahren, Klettern, Laufen.
Sommerferien oder Weihnachtsferien?
Sommerferien.
Lieblingspflanze?
Rotbuche. Imposant, sozial und wichtiger Lebensraum für einheimische Tiere. 🙂
Florentina K.,
für die Q2a und die Redaktion des Website-Teams





















