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Mundschutz – DAS neue It-Piece

Gepunktet, kariert, gestreift oder schlicht, jeder kennt ihn, jeder hat ihn und jeder benutzt ihn: den Mundschutz. Jeder? Nein, viele wollten nicht, doch jetzt können sie nicht mehr anders: denn nun ist sie da, die Mundschutz-Pflicht.

Fleißig wurde die letzten Tage und Wochen zu Hause genäht, damit dann am 29.04 weiterhin  Läden und öffentliche Verkehrsmittel frequentiert werden konnten.

Ein durchaus amüsantes Bild boten da die Stoffläden ein paar Tage vor der Mundschutz-Pflicht, vor denen sich Schlangen aus vorrangig mittelalten Frauen gebildet hatten, die zwar alle schon einen Mundschutz trugen, aber scheinbar noch Bedarf an Stoff und Gummilitze hatten. Mit zwei Meter Abstand (!) ließen sich Fachgespräche belauschen, wie man nun am besten nähe und was man noch zusätzlich in die Maske legen könne (Wattepads, Taschentücher und und und). Es würde wahrscheinlich niemand zugeben, aber die Blicke nach vorne und hinten galten auch den Nähkonkurrenten, um sicherzustellen, dass man auch den schönsten Mundschutz hat.

Doch alle dachten dann am Tag der Tage doch nicht an die neue Pflicht, und so kam es zu einem skurrilen Erlebnis an der Tankstelle: Ein älterer Herr hatte getankt und wollte nun zum Bezahlen nach innen an die Kasse gehen, doch ohne Mundschutz. Sofort wurde er an der Tür gestoppt und über die neue Mundschutzverordnung aufgeklärt. Als wäre nichts gewesen, zog der Mann einen Mundschutz aus der Tasche. Da werfen sich direkt mehrere Fragen auf: Dachte er wirklich, es wird ein Auge zugedrückt? Ist er immun? Kann man jetzt das Bezahlen beim Tanken umgehen, in dem man seinen Mundschutz „vergisst“?

Wenn man ein paar Minuten vor einem Supermarkt steht, hat man so ziemlich alle Mundschutzarten gesehen, die es gibt, einige können aber durchaus zu verwirrenden Momenten führen: Ein Mann mit Mütze und einem schwarzen Tuch vor dem Gesicht, sodass man nur noch die Augen sieht, geht in den Supermarkt. Will er nur Tomaten kaufen, oder mit etwas Wertvollerem den Supermarkt verlassen? Doch überwiegend sieht man dann doch die bunten Varianten mit diversen Motiven.

Besonders faszinierend war es auch zu beobachten, wie sich leichte Abfälligkeit gegenüber Mundschutztragenden innerhalb von 24 Stunden zu einer Ausgrenzung derer, die es nicht tun, entwickeln kann.

Die Experten mahnten und mahnten, doch bitte nicht die Abstandsregeln zu vergessen, auch wenn man einen Mundschutz trage – doch Pustekuchen. Alle Mauern waren nun eingerissen, links und rechts huschten die Leute an einem vorbei, man spürte förmlich den Windhauch. Aber das war auch alles aufregend: Läden erst so kurz wieder offen, Mundschutz auf – endlich konnte der Shopping-Spaß beginnen. Wer dachte, die Leute entwickeln ein neues Verhältnis zum Konsum in den Wochen der Zwangsabstinenz, hatte weit gefehlt: Endlich ging es wieder ans Einkaufen. Zwischen Regalreihen konnte man das mit dem Abstandhalten dann aber wirklich vergessen, es sei denn, man wollte mehrere Stunden bis Tage im Laden zubringen und immer abwarten, bis eine Reihe zufällig leer wird.

Beim Schlendern durch die Stadt läuft man von einer brenzlichen Situation in die nächste: Wenn sich zwei Menschen mit genügend Abstand mitten auf dem Bürgersteig unterhalten, was tun? Zwischen ihnen hindurch (Infektion), rechts vorbei (Hauswand), links vorbei (fahrender Bus)?

Immer wenn man in ein Geschäft ging, traf man mindestens einen verzweifelten Brillenträger, der sich mit seiner beschlagenen Brille auseinandersetzte. Griff ins Gesicht oder nichts sehen können? Wieder so ein Dilemma. Profis raten eben diesen armen Menschen dazu, sich oben in die Maske einen Draht einzunähen, damit sich so die Maske an die Gesichtsform anpassen lasse und weniger Atemluft nach oben, Richtung der Brillengläser, austreten kann. Ist das dann schon Nähen für Fortgeschrittene?

 

Redaktion des Website-Teams