Ich habe mich vor circa einem Jahr dazu entschieden, am Austauschprogramm “Lycée Richelieu” teilzunehmen. Damals habe ich diese Entscheidung getroffen, da ich gerne mein Französisch verbessern wollte, aber auch weil ich eine neue Herausforderung annehmen und das Land Frankreich besser kennenlernen wollte.
Von September bis November habe ich dann zwei Monate in der Nähe von Paris verbracht. In dieser unglaublich intensiven Zeit habe ich nicht nur meine Sprachkenntnisse erweitert, sondern auch viel über das Land, die Kultur und die Menschen gelernt. In diesem Bericht erzähle ich von meinen Erfahrungen und Erlebnissen dieser spannenden Zeit.
Als ich Ende September am Bahnhof von Paris angekommen bin, war ich sehr aufgeregt und nervös. Ich kannte zwar schon meine Austauschpartnerin, da sie im Sommer schon bei mir war, aber ich hatte trotzdem viele Ängste in mir. Diese Ängste verschwanden aber relativ schnell: Ich habe direkt gemerkt, dass mich alle Menschen, die ich kennenlernen durfte, willkommen hießen und sich über mich gefreut haben. Meine Gastfamilie stammt aus Rueil-Malmaison, einer Kleinstadt westlich von Paris, die ich sofort ins Herz geschlossen habe. Ich habe die Stadt als sehr ruhig und als ein bisschen typisch französisch wahrgenommen.
Während meines Aufenthaltes habe ich das Lycée Richelieu in Rueil-Malmaison besucht, in dem etwa 2000 Schüler:innen unterrichtet werden. Das Schulgebäude ist noch einmal in vier Teile eingeteilt (A, B, C, D), damit die Schüler:innen sich besser orientieren können. Dies war auch für mich wirklich hilfreich, da das Gebäude im Vergleich zum Katharineum riesig ist. Die einzelnen Klassen haben auch keine eigenen Klassenräume, sondern wechseln zu jeder Schulstunde den Klassenraum. Die Flure sind nach Fächern eigeteilt, weshalb es einen Flur für jeden Fachbereich gibt.
Ich habe die Stufe “Seconde” besucht, wodurch ich zwar nicht mit meiner Austauschschülerin in einer Klasse war, aber auch eigene Bekanntschaften und Freundschaften in meiner Klasse geschlossen habe. Neben mir waren noch drei deutsche Mädchen aus Köln zum Austausch da, mit denen ich mich immer gerne über meine Erfahrungen ausgetauscht habe. Im französischen Schulsystem sind mir viele Unterschiede zum Deutschen aufgefallen. Zum Beispiel gibt es jeden Tag Nachmittagsunterricht, bis auf mittwochs und es werden deutlich mehr Klassenarbeiten und Tests geschrieben. Außerdem habe ich das Verhältnis zwischen den Lehrern und Schülern als sehr distanziert wahrgenommen. Obwohl sich die Schultage für mich am Anfang sehr lang angefühlt haben, hat es mir Spaß gemacht, am französischen Unterricht teilzunehmen und jede Stunde ganz viele neue Vokabeln in mein Heft abzuschreiben.
Wenn ich nicht in der Schule war, habe ich viele Orte in Rueil-Malmaison besucht. Ich war gerne in verschiedenen Parks oder in Bäckereien in der kleinen Innenstadt. Am Mittwochnachmittag oder an den Wochenenden bin ich meistens mit den RER (regionales Schnellbahnnetz, das Paris mit dem Großraum der Île-de-France verbindet) nach Paris gefahren. Diese Ausflüge habe ich oft mit meiner Austauschschülerin oder den Mädchen aus Köln gemacht.
Während meines Aufenthaltes habe ich unter anderem eine Oper in Versailles mit meiner Gastfamilie besucht, viele Kunstausstellungen gesehen und auch einige Sehenswürdigkeiten besucht. Tatsächlich hat es mir aber am meisten Spaß gemacht untouristische Orte zu besuchen und zu sehen, was meine Austauschpartnerin in Paris und Rueil-Malmaison in ihrer Freizeit macht. Zum Beispiel habe ich mit ihr einen Zeichenkurs belegt.
Gleichzeitig zu den Herbstferien in Schleswig-Holstein hatte ich in Frankreich auch zwei Wochen Ferien. In der ersten Ferienwoche durfte ich mit meiner Gastfamilie nach Lyon fahren. Es war sehr spannend, eine andere französische Stadt zu sehen und auch die zweite Ferienwoche habe ich ausgenutzt, um viele Erinnerungen zu sammeln. Wir waren zum Beispiel in süßen Cafés und auch einmal brunchen. Besonders gerne habe ich auch die versteckten und weniger touristischen Viertel besucht. Diese Zeit außerhalb der Schule habe ich insgesamt sehr genossen.
Während meines Aufenthaltes habe ich viel über die Sprache, die Kultur und die Menschen Frankreichs gelernt, was ich sehr spannend fand und mich auch ein bisschen fasziniert hat. Außerdem habe ich sehr viele neue Bekanntschaften und Freundschaften geschlossen. Insgesamt kann ich sagen, dass diese zwei Monate mit Abstand die intensivsten meines bisherigen Lebens waren, denn ich habe nicht nur meine Sprachkenntnisse erweitert, sondern bin auch als Person gewachsen. Nach einem Austausch merkt man, wie viel man sich selbst eigentlich zutrauen kann – und dieses Gefühl stärkt einen enorm. Insgesamt bin ich sehr dankbar für diese Zeit und würde diesen Austausch jedes Mal wieder genauso machen.
Wenn ihr auch Interesse am Austausch “Lycée Richelieu” habt, sprecht gerne eure Französischlehrer:innen oder besonders Frau Grigull an. Ich freue mich aber auch sehr, wenn ihr mit Fragen direkt zu mir kommt 😊. Traut euch den ersten Schritt zu machen – der Rest ergibt sich, und ihr könnt nicht anders, als an der Erfahrung zu wachsen. Tu es!
Jule König 10c


























