„Auf unserer Klassenfahrt nach Berlin gab es wirklich viele coole und schöne Momente, an die ich mich gerne zurückerinnern werde. Wir haben viel gesehen und erlebt, und eigentlich war jeder Tag besonders.“ (Johan)
Von ausgewählten Highlights dieser Fahrt berichten wir euch hier:
Wir starteten Montag mit einem Stadtspaziergang in Mitte, um ein Gefühl für die neue Umgebung zu bekommen. Am Ende des Boulevards „Unter den Linden“ nahmen wir an einer Führung über „Macht und Architektur“ teil. Im Herzen der Stadt steht dort heute das Humboldt-Forum an einem Ort, der viele Höhen und Tiefen der deutschen Geschichte erlebt hat. Früher war hier die „Volkskammer“ der DDR, davor von 1701-1918 die Residenz der preußischen Könige und deutschen Kaiser. Ihr Schloss wurde im Bombenkrieg 1943-45 zerstört. An das Original erinnern Überbleibsel: Statuen, Verzierungen und Mauerreste. „Durch die Überbleibsel realisierte ich, dass das Humboldt-Forum eine sehr lange Geschichte hat und dadurch fühlt man sich kleiner, da man erst dann richtig merkt was für einen kurzen Moment man in der langen Geschichte Berlins erlebt.“ (Niilo) Die DDR ließ die Überreste der alten preußischen Monarchie sprengen und errichtete darauf ihren „Palast der Republik“, Treffpunkt für Vertreter von Partei und Staat, aber auch ein kultureller Ort mit Restaurants und Event-Sälen. Nach dem Fall der DDR wurde der Palast zur Asbest-Ruine, die schließlich abgerissen wurde, um dem Humboldt-Forum Platz zu machen: „Ein Ort, an dem die Größe und Gestaltung dazu führt, dass man sich kleiner fühlt. Die Mischung zwischen dem Modernen an der Südseite und den Barock gestalteten Fassaden, ist ein starker Kontrast, welcher bei mir das Denken über die Moderne ausgelöst hat und die Frage, ob moderne Architektur wirklich die bessere Architektur ist. Doch nicht nur diese Teile des Humboldt-Forums sind interessant, sondern auch die Museen, die in dem Gebäude enthalten sind wie z.B.: Ethnologisches Museum, Museum für Asiatische Kunst etc. (Niilo)
Dienstag begann mit einer Erkundung des Holocaust-Mahnmals, dessen beeindruckende Formensprache und Symbolik wir uns gemeinsam erschlossen haben.
Ein besonderer Höhepunkt der Fahrt war für viele der anschließende Besuch im Reichstag:
„Schon beim Betreten des Reichstagsgebäudes wurde mir die historische Bedeutung dieses Ortes bewusst. Die Architektur, insbesondere die gläserne Kuppel, vermittelten mir ein Gefühl von Transparenz und demokratischer Offenheit, das für mich genau zeigt, wie Demokratie funktionieren sollte.“ (Mathilda W.)
„Beim Besuch des Deutschen Bundestags merke ich, dass dies kein normales Gebäude ist. Überall hört man Stimmen, Schritte auf dem Boden und es gibt viele Menschen. Es ist ein Ort, an dem wichtige Entscheidungen getroffen werden.“ (Mascha)
Unser Guide erklärt uns während der Führung, wie der Bundestag funktioniert. „Ein Gesetz kommt nicht einfach von heute auf morgen zustande”, sagt die Frau ins Mikrofon und blickt zu uns hoch. Wir sitzen mit ihr auf dem Balkon über dem Plenarsaal des Deutschen Bundestags. Von oben sehen wir die Plätze der Abgeordneten unten im Saal. In diesem Moment fühlte ich mich besonders, dass ich die Möglichkeit habe, den Bundestag zu besuchen und genau dort zu sein wo über viele Gesetze diskutiert wurde. … Sie zeigt uns Schritt für Schritt, wie neue Gesetze eingebracht, besprochen /diskutiert und am Ende beschlossen werden. Vorher wusste ich nicht, dass so viele Debatten und Lesungen notwendig sind, bis ein wirklich gutes und nötiges Gesetz verabschiedet ist. Während sie redet, schaue ich immer wieder nach unten in den Saal und stelle mir vor, wie dort diskutiert wird. … Nach dem Vortrag dürfen wir nach oben auf den Außenbalkon. Die Sonne schien, man sah fast gar keine Wolken und es war relativ warm. Wir sind mit Freunden durch die ganze Veranda gelaufen und haben diese Atmosphäre genossen und Bilder gemacht. Und auf einmal ruft jemand: ‚Schaut mal da!‘ Unten sehen wir durch ein Fenster Alice Weidel. Zuerst sind wir noch unsicher, weil sie mit dem Rücken zu uns stand, aber dann erkennen wir sie klar. Ich war in diesem Moment richtig überrascht. Es war ein komisches, aber auch ein spannendes Gefühl, eine Politikerin, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, plötzlich in echt zu sehen. Da habe ich gemerkt, dass Politik gar nicht so weit weg ist, sondern genau hier passiert.“ (Mascha/ Nikita)
Anschließend sind wir eingeladen zum Abgeordnetengespräch mit MdB Dr. Konstantin von Notz aus Mölln. „Während unseres Austauschs mit Herrn von Notz lag der Schwerpunkt vor allem auf seiner Tätigkeit im Parlamentarischen Kontrollgremium für die Geheimdienste. Dieses Thema faszinierte mich sehr, da es selten Gelegenheit gibt, Einblicke in die Arbeit eines solch sensiblen und wenig öffentlich diskutierten Bereichs zu erhalten. Herr von Notz erklärte detailliert die Herausforderungen und Verantwortlichkeiten, die mit der Kontrolle der Nachrichtendienste verbunden sind, und betonte eindrücklich die aktuelle Relevanz seiner Arbeit.“ (Mathilda W.)
„Der Raum wirkt unscheinbar, fast wie ein ganz normales Klassenzimmer, … doch die Atmosphäre ist eine andere, alle Blicke richten sich nach vorn als Konstantin von Notz zu sprechen beginnt, seine ruhige direkte Art schafft sofort Vertrauen. … Es geht um ernste Themen: Sicherheit, Demokratie und außenpolitische Bedrohungen. Besonders deutlich warnt er vor Ländern wie Russland und China, seine Worte wirken nicht übertrieben, sondern nüchtern und eindringlich, fast schon sachlich und genau das macht sie glaubwürdig. Russland sei sehr gefährlich und betreibe aktiv Spionage und Sabotage gegen andere Staaten. Plötzlich ist das kein abstraktes Thema mehr aus den Nachrichten, sondern etwas, das uns direkt betrifft. Eine Aussage bleibt besonders hängen: Es sei wahrscheinlich, dass Russland bis 2029 die NATO angreifen werde. In diesem Moment verändert sich die Stimmung im Raum spürbar, einige schauen sich kurz an, andere werden noch stiller, diese Worte wirken nach. … Im weiteren Verlauf wird das Gespräch persönlicher, viele aus unserer Klasse nutzen die Gelegenheit, Fragen zu stellen, und es geht nicht mehr nur um große politische Zusammenhänge, sondern auch um seinen eigenen Weg wie er in die Politik gekommen ist, was ihn geprägt hat und wie sein Alltag aussieht.“ (Michel)
Er berichtet uns, dass eine Sitzungswoche im Schnitt 60 Arbeitsstunden hat und erklärt, dass man sich aber bewusst dazu entschieden hätte. Zum Wohl anderer solle man sich bei jedem Wahlkampf fragen, ob es vielleicht sinnvoll wäre, einer anderen Person den Vortritt zu lassen. Seine Mitarbeiter anständig zu behandeln sei für einen Abgeordneten ganz wichtig, da nur man mit einem guten Team die Arbeit bewältigen, etwas bewegen und einen Wahlkampf erfolgreich führen könne. Auf unsere Frage betonte er, es wäre wichtig, als Land auf mögliche Angriffe vorbereiten zu sein. Er selbst halte den Wehrdienst oder ein Soziales Jahr für wertvoll und wichtig. „Natürlich ist dies ein sehr sensibles Thema, und ich bin mir sicher, Herr von Notz wusste dies auch. Trotzdem positionierte er sich klar und stand zu seiner Meinung. Unabhängig von meiner eigenen Meinung, empfinde ich diese Eigenschaft als sehr wertvoll, vor allem in der Politik.“ (Mayleen)
„Die Müdigkeit, die am Anfang noch im Raum lag, verschwindet immer mehr und wird durch echtes Interesse ersetzt. Es wird zugehört, nachgedacht und weitergefragt. Manchmal entsteht sogar ein kurzer Moment von Leichtigkeit, wenn jemand eine unerwartete Frage stellt oder eine Antwort ein kleines Schmunzeln auslöst, doch insgesamt bleibt die Stimmung konzentriert und ernst, weil allen bewusst ist, dass es um wichtige Themen geht. Was mich persönlich am meisten überrascht hat ist, wie direkt und klar er über die Gefahren spricht ohne dabei Panik zu machen, aber auch ohne etwas zu verharmlosen. Ich habe in dieser Stunde gelernt, dass Demokratie nichts ist, was einfach immer da ist, sondern etwas, das geschützt werden muss, etwas, das Arbeit bedeutet und Engagement. Er macht deutlich, dass wir in Deutschland zwar in einer stabilen Situation leben, aber dass diese Stabilität nicht selbstverständlich ist und genau dieser Gedanke bleibt besonders stark im Kopf, weil er das eigene Bild von Sicherheit ein Stück weit verändert. Gleichzeitig nehme ich aber auch etwas Positives mit, nämlich das Gefühl, dass es Menschen gibt, die sich ernsthaft für den Schutz dieser Werte einsetzen und Verantwortung übernehmen. Am Ende verlasse ich den Raum nachdenklicher als ich ihn betreten habe, aber auch auf eine bestimmte Weise wacher für das, was um uns herum passiert und mit einem neuen Blick auf Politik, die plötzlich nicht mehr so weit entfernt wirkt, sondern viel direkter mit unserem eigenen Leben verbunden ist.“ (Michel)
Unser Dienstag klingt entspannt aus. Max, unser verlässlicher Lotse durch den Dschungel der öffentlichen Verkehrsmittel von Berlin, führt uns nach Kreuzberg, wo wir über den Wochenmarkt am Maybachufer bummeln, orientalische Köstlichkeiten probieren und bei sonnigem Wetter die bunte Marktatmosphäre genießen. Der nächste Tag beginnt sehr früh.
„‘Noch drei Minuten bis zum Start!‘ ruft ein junger Mann mit Headset durch das Studio. Plötzlich wird es sehr hektisch: Kameras werden ausgerichtet, Lichter angepasst und letzte Absprachen getroffen. Wir sitzen mitten im ZDF Morgenmagazin-Studio in Berlin. Die Müdigkeit vom frühen Aufstehen ist plötzlich wie weggeblasen. Es ist Mittwochmorgen, der dritte Tag unserer Klassenfahrt nach Berlin.
Während draußen in der Stadt langsam das Leben beginnt, herrscht hier drinnen schon seit Stunden Hochbetrieb. “Bitte guckt immer auf die Moderatoren”, wird uns gesagt. Eine Kamera fährt lautlos an uns vorbei. Es ist beeindruckend zu sehen, wie viel Technik und Planung nötig sind, damit später alles im Fernsehen so locker und selbstverständlich funktioniert. Im Studio fallen uns sofort die Bänke und der Hintergrund auf – genau das, was man sonst nur vom Bildschirm kennt. Doch in Wirklichkeit wirkt alles etwas kleiner, aber sehr beeindruckend. Überall stehen Monitore, Kabel liegen überall auf dem Boden und in der Regie sitzt ein Team, das jede Sekunde im Blick hat. Ein Mitarbeiter erklärt uns: ‚Jetzt zählt jede Minute. Wenn ein Beitrag zu lang ist, müssen wir spontan entscheiden, was wir kürzen.‘ Diese Schnelligkeit spürt man auch in der Atmosphäre, alles ist konzentriert und genau durchgeplant. Fehler sind jetzt nicht mehr erlaubt.
Es wird besonders spannend, als wir die Moderatoren aus nächster Nähe sehen. Sie wirken viel nahbarer als im Fernsehen, fast wie ganz normale Menschen. Wären da nicht das perfekte Make-up und das helle Studiolicht, könnte man sie fast für Freunde halten. Die Moderatoren stehen meist in der Mitte des Raumes, während die Gäste auf den Bänken Platz nehmen. Dadurch entsteht eine lockere, fast wohlfühlende Stimmung, obwohl gleichzeitig Millionen Menschen zuschauen.
Im Laufe der tollen Führung wird klar, dass das Morgenmagazin nicht nur Unterhaltung ist, sondern auch viele wichtige Themen behandelt – von Nachrichten bis zu Interviews. Außerdem werden dort auch Sendungen wie ‚Maybrit Illner‘ produziert. Diese Mischung macht das Studio besonders. Für uns ist es faszinierend zu erleben, wie viel Arbeit hinter jeder einzelnen Minute steckt. Außerdem gibt es dort hunderte Arbeitsplätze, die alle eine super wichtige Bedeutung haben. Nach etwa zwei Stunden verlassen wir das Studio wieder. Draußen wirkt alles plötzlich ruhiger und langsamer. Doch die Eindrücke bleiben: die Hektik kurz vor der Sendung, das Zusammenspiel der Technik und das Gefühl, Teil von etwas gewesen zu sein, das sonst nur hinter dem Bildschirm passiert. Das ZDF-Morgenmagazin war für mich mehr als nur ein Programmpunkt – es war ein Blick hinter die Kulissen einer Welt, die man sonst nur von außen kennt. Außerdem konnte ich mir nach diesem Tag sogar sehr gut vorstellen, dort selbst zu arbeiten.“ (Maja/ Johan S.)
Vom Hauptstadtstudio fahren wir in die Bernauer Straße und begeben uns auf eine historische Spurensuche: Wo war Osten und wo Westen? Warum wurde 1961 mitten durch die Stadt eine Mauer gebaut? Wie reagierten darauf die Berliner in beiden Hälften der bis 1989 geteilten Stadt?
Nach den vielen Eindrücken haben wir eine Weile Freizeit und lassen die Großstadt auf uns wirken: „Ich sitze mit Mascha auf einer Wiese an der Spree. Um uns herum sitzen viele unterschiedlich große Gruppen aus allen Altersstufen. In dieser sonst so hektischen und lauten Stadt, ist dies ein Ort der Ruhe. Ein Ort, wo Menschen zusammenkommen um sich zu unterhalten und das Wetter zu genießen. Niemand hat es eilig. Einige Männer mit Aktenkoffern bleiben sogar stehen, um der Straßenkünstlerin zuzuhören, welche gerade „So easy“ von Olivia Dean covert. Auf dem Weg zum Theater gehen wir unter einem Tunnel durch. In ihm steht ein Saxophonspieler und wir wundern uns, warum er nicht wie die anderen Leute am Wasser steht. Als wir den Tunnel betreten, reißt uns die Akustik von den Beinen. Mascha und ich tanzen etwas zu dem Cover „Just the two of us“. Wir müssen lachen, weil wir uns einige Male auf die Füße treten… (Alisa)
Abends sind wir um 18 Uhr im kleinen Berliner Grips-Theater. Die Reihen sind bis auf den letzten Platz gefüllt und wir warten gespannt darauf, was kommt. Auf der Bühne, die nur unmittelbar von uns entfernt ist, stehen ein paar Tische und hinten befindet sich eine Gruppe Schauspieler*innen. Es wird dunkel und das Stück beginnt. Schon nach den ersten Minuten wird klar, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Theaterstück handelt.
„Aber warum hat sich denn niemand dagegen gewehrt und einfach nein gesagt?“, fragt die Schülerin Laura ihre Lehrerin Frau Rosenberg im Geschichtsunterricht, nicht ahnend, dass diese anfängliche Frage sich nach und nach zu einem riesigen Debakel entpuppen würde. …
Die Geschichte „Die Welle“ basiert auf einem realen Experiment des amerikanischen Lehrers Ron Jones aus den 1960er Jahren. Ziel war es, den Schüler*innen zu zeigen, wie Faschismus entstehen kann und warum Menschen sich einer Diktatur unterordnen. Diese Hintergrundinformation macht das Stück besonders eindrucksvoll, da es nicht nur fiktiv ist, sondern auf tatsächlichen Ereignissen beruht, was die Wirkung viel mehr betont.
Am Anfang des Stücks wird gezeigt, wie die Lehrerin Frau Rosenberg ihre Schüler*innen auf eine Prüfung vorbereiten möchte. Anfängliche Regeln wie Disziplin, einheitliches Verhalten und klare Hierarchien entwickeln sich zu einem gemeinschaftlich gesprochenen Reim. Auf Reim folgt Zeichen auf Zeichen folgt Gruß: Es entsteht eine starke Gruppendynamik. Anfangs wirkt alles harmlos und sogar positiv: Die Schüler*innen fühlen sich stärker verbunden, es entsteht ein Gemeinschaftsgefühl und alle scheinen motivierter zu sein. Auch ich habe beim Zuschauen kurz gedacht, dass diese Gruppe etwas Gutes hat, weil alle zusammenhalten. Genau das hat mir ein leicht unangenehmes Gefühl gegeben, da ich gemerkt habe, wie schnell man sich davon beeinflussen lässt und habe erst im Nachhinein den Übergang zwischen harmloser Gemeinschaft und einem echtem Problem, der während des Stücks nicht auffällig zu sehen war, bemerkt.
Doch nach und nach verändert sich die Stimmung. Die Gruppe wird immer strenger und Menschen die zur Gemeinschaft gehören wollen müssen zu 100% hinter der Welle und ihren Überzeugungen stehen, dürfen sich nicht kritischer gegenüber ihr aussprechen, was zum Konflikt führt, als eine Schülerin einen kritischen Beitrag über die sozialen Netzwerke postet, indem sie die Überzeugungen und moralischen Handlungen der Welle hinterfragt. Ausgelöst wird ihr Handeln durch das Ausgrenzen und Misshandeln eines libanesischen Jungen. Gleichheit der Überzeugung steht nun an erster Stelle und Menschen, die sich nicht davon bestimmen lassen wollen, werden ausgegrenzt und bedroht. Der anfängliche Spaß entpuppt sich immer weiter zur Katastrophe.
Das Schauspiel fand ich unglaublich überzeugend. Die Schauspieler*innen haben ihre Rollen so realistisch dargestellt, dass man sehr in die Geschichte hineingezogen wurde. Vor allem die Entwicklung der einzelnen Charaktere war sehr gut erkennbar: Vom normalen Schüler hin zu jemandem, der blind einer Gruppe folgt. Durch die Nähe zur Bühne konnte man jede Emotion sehen – Angst, Zweifel, aber auch Begeisterung. Das hat die Wirkung des Stücks noch intensiver gemacht.
Auch die Aktualität des Themas wurde deutlich. Obwohl das Stück auf einem älteren Experiment basiert, lässt es sich leicht auf die heutige Zeit übertragen. Themen wie Populismus, Ausgrenzung und Gruppenzwang sind immer noch präsent. Das Stück stellt wichtige Fragen: Wie schnell kann eine Demokratie gefährdet werden? Und wie viele Menschen schauen einfach zu, ohne einzugreifen? Diese Fragen haben mich besonders beschäftigt, weil sie zeigen, dass so etwas nicht nur „früher“ passiert ist.
Am Ende bleibt die Frage vom Anfang bestehen – warum sagt niemand „nein“? Vielleicht, weil es schwerer ist, als man denkt und erstmal ein Bewusstsein für die Gefahren der Situation gegeben sein muss.“ (Josephine)
„Ich habe „Die Welle“ als mein Highlight der Woche gewählt, weil ich so beeindruckt war von der Darstellung der Situation, sowohl inhaltlich als auch schauspielerisch. Ich wurde direkt ins Geschehen mit hineingezogen, war die ganze Zeit total gespannt und am Ende auch dementsprechend geschafft, aber sehr beeindruckt. Meiner Meinung nach haben diese ca. zwei Stunden Theater das Problem der NS-Zeit und die Bezüge zu heute besser dargestellt als vielleicht 10 Stunden Unterricht. Darüber hinaus war ich auch fasziniert von den spielerischen Künsten: In mir wurden sofort Sympathien zu den Charakteren geweckt, ich fand es sehr beeindruckend, die inneren Wandel von ihnen zu beobachten und die Bezüge zu damals wurden toll gezeigt. Die perfekte Menge Humor war auch dabei! Und der Höhepunkt war meiner Meinung nach das Ende: dort kann Robert, der immer ein Außenseiter gewesen war, durch „die Welle“ allerdings endlich Zugehörigkeit erfahren hatte, nicht akzeptieren, dass die Gruppe aufgelöst wird und rastet aus und macht den Eindruck, dass er weiter für diese Gruppe kämpfen und diese radikalen Ideen weiterverfolgen will. Ich empfand diese Szene als unfassbar gut gespielt und sie hat mich auch total berührt.“ (Helene)
Eine andere Art von Highlight erwartet uns am Donnerstagvormittag in Ruhleben. Wir besichtigen das Olympiastadion. Hier gibt es mehr als nur Sportgeschichte zu sehen. Wer wusste schon, dass das Katharineum etwas mit den Olympischen Spielen und dem Berliner Olympiastadion zu tun hat? Otto aus dem Lateinkurs von Frau Saage! Der Archäologe und ehemalige Katharineer Ernst Curtius war im 19. Jh. am Freilegen des antiken Olympia beteiligt. Für ihn gibt es bis heute eine Tafel im Stadion.
„Ein paar Schritte durch einen dunklen Tunnel dann blendet uns plötzlich das Licht. Vor uns öffnet sich das riesige Olympiastadion Berlin. Die Tribünen wirken endlos, der Rasen liegt perfekt gepflegt in der Mitte und alles zusammen erscheint noch viel beeindruckender als im Fernsehen. ‚Hier passen über 70.000 Zuschauer rein‘, erklärt Eva, unsere nette Tourguide, während wir langsam weitergehen. Wir bleiben kurz stehen und versuchen, die Atmosphäre auf uns wirken zu lassen. Es ist nicht nur die Größe, die beeindruckt, sondern auch die besondere Stimmung dieses Ortes. Doch schnell wirk klar,dasss dieses Stadion weit mehr ist als nur eine sportstätte. Eva zeigt nach oben auf eine bestimmte Stelle. ‚Dort oben ist der sogenannte Führerstand‘, sagt sie. ‚Von dort aus hat Adolf Hitler die Olympischen Spiele 1936 verfolgt.‘ In diesem Moment verändert sich die Wahrnehmung des Stadions. Es wirkt plötzlich nicht mehr nur beeindruckend, sondern auch bedrückend. Die Geschichte dieses Ortes ist spürbar. Wir … erfahren von den Olympischen Spielen 1936, die stark von der nationalsozialistischen Propaganda geprägt waren. Gleichzeitig hören wir von Menschen, die dieses Bild durchbrochen haben. Besonders beeindruckend ist die Geschichte von Jesse Owens, der hier vier Goldmedaillen gewann und damit die rassistische Ideologie der Nationalsozialisten widerlegte. Auch die jüdische Fechterin Helene Mayer wird erwähnt, deren Teilnahme zeigt, wie widersprüchlich diese Zeit war. Solche Geschichten machen deutlich, dass Geschichte nicht nur aus Ereignissen besteht, sondern auch aus den Menschen, die sie geprägt haben. …
Ein besonderes Highlight ist für mich die Leichtathletik-Aufwärmhalle. Unter dem Stadion befindet sich tatsächlich eine 120-Meter-Bahn. Ich hätte nie erwartet, dass es unter der Erde so eine große Anlage gibt. Es fühlt sich fast wie ein eigenes kleines Stadion an. Dieser Teil zeigt, wie durchdacht und vielseitig das Olympiastadion auch heute noch genutzt werden kann.
Zwischendurch gibt es auch einen lustigen Moment, der die Stimmung etwas auflockert. Eva erzählt uns, dass die Duschen einmal extra vergrößert werden mussten, weil ein NBA-Team zu Besuch war und die Spieler zu groß für die normalen Duschen waren
Am Ende der Führung gehen wir noch einmal hinauf auf die Tribüne. Von dort oben wirkt alles ruhig und fast friedlich. Kaum vorstellbar, dass dieser Ort früher für politische Inszenierungen und Propaganda genutzt wurde. Wir setzen uns kurz hin und schauen über das Stadion. In meinem Kopf vermischen sich die Eindrücke: die beeindruckende Architektur, die spannenden Fakten und die schwere Geschichte. Als wir das Stadion schließlich verlassen, bleiben gemischte Gefühle zurück. Einerseits bin ich beeindruckt von der Größe und den modernen Nutzungsmöglichkeiten des Stadions, andererseits denke ich über die Vergangenheit nach und darüber, was dieser Ort früher bedeutet hat. Genau diese Kombination macht den Besuch so besonders. Es war nicht nur eine Besichtigung, sondern auch eine Begegnung mit Geschichte.“ (Linnéa)
„Unsere Führung startete mit einem ersten Blick in das Stadion, wobei deutlich wurde, dass dieses zur Hälfte in die Erde gebaut ist. Deshalb sah es von innen noch größer aus, als es von außen gewirkt hat. … Danach sind wir in den Innenbereich des Stadions gegangen, indem die unterschriebenen Trikots aller DFB-Pokalfinalisten in Vitrinen zusehen waren. Dies war sehr beeindruckend, weil man auch die Entwicklung der Trikots sehen konnte. Besonders auffällig waren dabei der Schnitt und das Design, welches sich über die Jahre stark verändert hat. Anschließend sind wir in die Kabinen der Spieler gekommen, wo uns viele interessante Fakten erzählt wurden, wie zum Beispiel, auf welchen Plätzen Messi, Neymar und Suarez während des Champions League Finales 2015 saßen. Wir haben dann noch den Spielereingang und den Tunnel für die Mannschaftsbusse gesehen, bevor wir wieder nach draußen gegangen sind um uns den Teil des Stadions mit dem olympischen Feuer angeschaut haben. Dort waren auch alle Athleten aufgelistet, die während der Olympischen Spiele 1936 in Deutschland Gold gewonnen haben. Dort endete auch unsere Führung und wir hatten noch Zeit uns selbst Dinge anzusehen. Wir haben dann noch vor dem Stadion mit einem Ball gespielt bevor wir wieder zur S-Bahn zurück gegangen sind.“ (Ole, Otto)
Während der Fahrt besuchen wir in Gruppen verschiedene Museen, darunter das Naturkundemuseum mit einem riesigen Dinosaurierskelett, das Ägyptische Museum und das Futurium, eines der neuesten Museen Berlins, das mehrere zum Highlight ihrer Fahrt erklärt haben.
„Schon von außen wirkte das Gebäude beeindruckend: modern, hell und irgendwie anders als die meisten Museen, die man kennt. Drinnen ging es dann nicht um die Vergangenheit, sondern ganz klar um die Zukunft – und das hat den Besuch für uns alle besonders spannend gemacht. Im Futurium dreht sich alles um die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen und können. Es gab viele interaktive Ausstellungen, bei denen man nicht nur lesen, sondern selbst ausprobieren konnte. Zum Beispiel konnten wir herausfinden, wie Städte nachhaltiger werden könnten oder welche Technologien unseren Alltag in einigen Jahren verändern könnten. Besonders interessant war der Bereich zu künstlicher Intelligenz und Robotik, weil man dort sehen konnte, wie Maschinen lernen und Entscheidungen treffen. Ein weiteres Highlight war, dass wir oft selbst entscheiden mussten, welche Zukunft wir besser finden. An vielen Stationen gab es verschiedene Möglichkeiten, und man konnte abstimmen oder eigene Ideen einbringen. Dadurch wurde einem bewusst, dass die Zukunft nicht einfach passiert, sondern von uns Menschen gestaltet wird. Auch die Gestaltung der Ausstellung hat mir sehr gefallen. Alles war modern aufgebaut, mit vielen Bildschirmen, Projektionen und kreativen Installationen. Es war nie langweilig, weil es immer etwas zu entdecken gab. Man konnte sich frei bewegen und selbst entscheiden, was einen am meisten interessiert. Am Ende des Besuchs habe ich gemerkt, dass ich viel über Themen wie Umwelt, Technik und Gesellschaft nachgedacht habe. Das Futurium hat nicht nur informiert, sondern auch zum Nachdenken angeregt.“ (Theo/ Johann B.)
Auch an diesem Abend haben wir Theaterkarten: Im Berliner Ensemble, dem Theater Bertolt Brechts, erleben wir eine unter die Haut gehende Inszenierung von George Orwells „1984“. Vorab nähern wir uns dem Stück praktisch. Die Theaterpädagogin Dascha leitet uns an, Szenen selbst im Chor zu sprechen, gestisch und mimisch zu interpretieren.
Die Beschäftigung mit der Geschichte Berlins schließen wir Freitag mit einem Besuch im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen ab: „Fünf Uhr morgens geht das Licht an, zehn Uhr abends wieder aus. Während des Tages darf man sich nicht auf das Bett legen oder sich sportlich betätigen. Alle fünf Minuten kommt ein Wächter vorbei und schaut durch den Türspion, um sicherzugehen, dass die Regeln befolgt werden. Auch nachts ist genau vorgegeben, wie man zu schlafen hat: Mit dem Rücken gerade auf dem Bett, die Hände auf der Bettdecke. ‚So schläft kein Mensch‘, meint auch der ehemalige Insasse Andreas, der mit 17 bei einem Fluchtversuch ertappt wurde und uns heute durch das alte Stasi-Gefängnis in Berlin Hohenschönhausen führt. Unsere Besichtigung beginnt im Keller. Von 1945 bis 1946 war hier ein Sonderlager des sowjetischen Geheimdienstes. Dieses wurde dann zu einem sowjetischen Untersuchungsgefängnis umgebaut, indem im Keller der ehemaligen Küche isolierte Einzelzellen aus dicken Betonwänden eingezogen wurden. Auch wir stehen heute in den fensterlosen Räumen und bekommen die Hilflosigkeit zu spüren, die diese Umgebung mit sich bringt. Jede Zelle ist etwa sechs Quadratmeter groß und nur mit einem Toiletteneimer und einer Holzpritsche ausgestattet, die für einen durchschnittlichen Menschen viel zu klein ist. Das ‚U-Boot”‘ nennt man den ehemaligen Zellentrakt. Damals wurden Geständnisse unter Androhung körperlicher und auch psychischer Gewalt eingeholt. 1951 wurde das Gelände zum zentralen Untersuchungsgefängnis für Staatssicherheit umfunktioniert und um einen Gefängnisneubau ergänzt. Mit diesem Wandel veränderten sich auch die Methoden, Geständnisse aus den Insassen zu locken. Andreas führt uns durch den Neubau, zeigt uns Zellen, die eingerichtet sind wie damals und erklärt uns, wie es war, hier eingesperrt zu sein:
Jeden Tag sitzt man 17 Stunden lang am Schreibtisch in einem engen Raum und hat nichts zu tun. Aus den Fenstern kann man nicht hinausschauen, da sie aus undurchsichtigen Glasbausteinen bestehen. Wenn man Glück hat, wird man einmal am Tag für 20 Minuten in eine Außenzelle mit frischer Luft gebracht, in der man jedoch auch kaum andere Möglichkeiten hat, außer zwischen den Betonwänden im Kreis zu laufen. Andreas meint, dass man hier vor allem im Winter auch gerne versehentlich mal vergessen werden würde.
Die andere Möglichkeit, um von der ganzen Langeweile abgelenkt zu sein, waren Verhöre. ‚Da wird der [der dich verhört] ganz schnell zum Freund‘, sagt unser Gruppenführer über die Situation. Bei der Stasi wurden Geständnisse nämlich nicht mehr mit Gewalt erzwungen, wie es bei den sowjetischen Verhören davor der Fall war. Hier ging es um Zeit. Man konnte für Wochen, Monate und Jahre in Untersuchungshaft bleiben und erst nach einem Geständnis in ein anderes Gefängnis verlegt werden. Andreas sagt, dass dort die Umstände ‚nicht gut – aber besser‘ waren. Dieses Konzept war zwar nicht besonders wirtschaftlich, aber es funktionierte. Irgendwann musste man anfangen zu reden.
In manchen der Verhörräume waren einige Fenster nicht verschlossen und man konnte durch sie nach draußen schauen. In Fluren oder Zellen waren sonst immer alle Fenster so eingerichtet, dass die Insassen nicht hindurch schauen konnten und somit nicht wussten, wo sie waren. Die offenen Fenster funktionierten also als Motivation für die Häftlinge, endlich zu gestehen. Das Gefühl von Unsicherheit und Orientierungslosigkeit war für die Stasi-Methode sehr wichtig. ‚Wenn ich nicht weiß, wo ich bin, wer sonst weiß dann auch nicht, wo ich bin?‘, meint Andreas. Deshalb wurde man oft, auch nur für kurze Wege, eine Stunde lang in dem Gefangenentransporter herumgefahren, der natürlich auch keine Fenster hatte. Auch wenn man von seiner Zelle zum Verhörraum gebracht wurde, ging es nicht auf direktem Weg dahin. Man wurde Stockwerke hoch und runter geführt und musste links und rechts abbiegen, so dass man nie wusste, wo man war. Andreas erzählt, dass er selbst lange nicht wusste, wo er während seiner Untersuchungshaft eingesperrt war und erst ein paar Jahre später mehr über das Gefängnis in Berlin Hohenschönhausen erfahren hatte.
Diese Trostlosigkeit und die Orientierungslosigkeit, die damals erzeugt wurde, heute nachzuvollziehen, ist schwer, aber der Ort spricht für sich. Die Methode der Stasi zielte darauf ab, dass sie sagen konnten, sie täten den Insassen gar nichts, da es keine körperliche Gewalt mehr gab. Trotzdem gab es aber psychische Gewalt und Unbehagen. Von einem ehemaligen Insassen durch dieses Stasi-Untersuchungsgefängnis geführt zu werden, bringt einem die Situation so nah, wie es wohl nur geht und es stellt klar, wie schwerwiegend die Erfahrung damals für die Häftlinge war und dass so etwas nicht nochmal passieren darf.“ (Luca/ Coco)
Berlin ist eine Reise wert! Diesen Satz kann nach einer aufregenden Woche in der Hauptstadt jeder von uns unterschreiben. Es war eine tolle und intensive Zeit, in der wir uns auch untereinander neu und besser kennen gelernt haben. Vielleicht wird dieses Woche später einmal zu den Highlights unserer Schulzeit insgesamt gehören. Wir nehmen sehr viele Erinnerungen mit und danken unseren Klassenlehrern Frau Gerresheim und Herrn Hegge ganz herzlich für die Organisation und Begleitung dieser erlebnisreichen Reise.




























