Das Bundesfinale Jugend debattiert stand im Zeichen eines besonderen Jubiläums: Seit 25 Jahren fördert Jugend debattiert die Fähigkeit junger Menschen, unterschiedliche Positionen auszuhalten, Argumente kritisch abzuwägen und präzise zu formulieren.
Bundespräsident Steinmeier, der Schirmherr von Jugend debattiert, zitierte in seiner Festrede den Philosophen Hans-Georg Gadamer: „Jedes gelingende Gespräch, jeder Austausch, jede Debatte folgt einer Grundvoraussetzung – nämlich der Annahme, dass der andere recht haben könnte. Wer nur recht behalten will, hört meist gar nicht mehr richtig hin. Wer es dagegen für möglich hält, dass der andere recht haben könnte, ist offen für Erkenntnis.“ Weil Jugend debattiert eine Haltung des offenen Zuhörens fördere, leiste das Projekt einen wichtigen Beitrag zur demokratischen Kultur.
Für den Regionalverbund Lübeck verlief der Wettbewerb im Jubiläumsjahr besonders erfreulich: Gleich zwei Schülerinnen, die im Februar als Regionalsiegerinnen auf der Aula-Bühne des Katharineums standen, führte ihr Weg bis auf die ganz große Bühne des Bundesfinales. Smilla Egtved aus Bad Schwartau wurde am Samstag in Anwesenheit des Bundespräsidenten die neue Bundessiegerin Jugend debattiert, Leonor Carvajal aus Ahrensburg gewann den 3. Platz. In der Altersstufe I startete in Berlin zudem Lotte Mews aus Lübeck, die unter 32 Teilnehmern aller Bundesländer den 16. Platz errang.
Lübeck war im Wettbewerbsjahr 2026 der erfolgreichste Regionalverbund Jugend debattiert in ganz Deutschland. Die diesjährigen Katharineums-Schulsieger Emma Escudero-Garcia (9d), Melody Setoodehnia (9c), Isa Sengül (Q1d) und Naara Nehmzow (E1a) waren im Regionalwettbewerb vorne mit dabei und konnten in einem starken Teilnehmerfeld Debattenerfahrung sammeln. Das ermutigende Signal dieses Wettbewerbsjahrgangs ist, dass bei uns in der Region eine Schülergeneration heranwächst, die Impulse für demokratische Streitkultur im Norden setzen kann.
Bundesweit engagieren sich über 1600 Schulen dafür, Debattieren als Schlüsselkompetenz für demokratische Teilhabe zu vermitteln. Seinem jungen Publikum gab Bundespräsident Steinmeier in Berlin diese Botschaft mit: „Wir spüren es alle: Diese Offenheit ist unter Druck, vor allem durch die veränderte Diskussionsweise in den Sozialen Medien. Das ist kein Zufall. Das ist das Design des Algorithmus. Soziale Medien sind so gebaut, dass Empörung mehr Aufmerksamkeit erzeugt als Nachdenklichkeit, dass Zuspitzung über das sorgfältige Argument siegt, dass man sich seine Gesprächspartner – und damit seine Wirklichkeit – selbst zusammenstellt. Wer scharf urteilt, wird mit Reichweite belohnt. Aber Schärfe ist noch keine Klarheit. Lautstärke ist noch kein Gedanke. Und viele Likes sind noch kein Beweis dafür, dass man richtig liegt.
Ihr beweist das Gegenteil! Ihr wisst, was für unserer demokratisches Zusammenleben unverzichtbar ist: eben nicht nur, die eigene Position gut zu vertreten, sondern genauso, gut zuzuhören, Einwände abzuwägen und selbst bei Widerspruch respektvoll zu bleiben. Diesen Gedanken solltet Ihr mitnehmen in den Alltag online wie offline!“
Karin Gerresheim, Regionalkoordinatorin Jugend debattiert