Städtisches Gymnasium für Jungen und Mädchen mit altsprachlichem Zweig | seit 1531

Bericht aus Kenia – Update zu Wape Nafasi 

Bei einem Besuch vor acht Jahren in Kenia lernte die Lübeckerin Annette Jenner-Kief  fünf Kenianer kennen, die eine Schule bauen wollten. Frau Jenner-Kief gründete dafür den Verein Wape Nafasi, den das Katharineum zu Lübeck durch den jährlich stattfinden Weihnachtsbasar unterstützt. In normalen Zeiten besucht Frau Jenner-Kief das Katharineum, um von ihrer Arbeit zu berichten. Da diese Besuche im Moment nicht stattfinden können, haben wir vor einigen Tagen ein Interview mit ihr geführt. 

Website-AG: Wie ist im Moment die Situation in Kenia, insbesondere in Wimagak, wo die Schule ist, bezüglich der Corona-Pandemie? 

Frau Jenner-Kief (J-K): Ich bin im Februar da weggefahren, zu der Zeit war Corona so ein bisschen zwiespältig. Einerseits hieß es, man darf in Matatus (Sammeltaxen) nur mit acht Leuten sitzen, man muss immer eine Maske tragen. In Schulen mussten sich die Kinder immer die Hände waschen und es wurde regelmäßig Fieber gemessen. Überall wurde einem Fieber gemessen. Bei mir wurden dabei Temperaturen von 28 bis 32 Grad gemessen, also eigentlich nie meine echte Körpertemperatur, denn bei 28 Grad wäre man tot. In der Schule waren die Regelungen besonders streng: Jeder, der rein wollte, musste sich in ein Heft einschreiben und man wurde mit seiner Körpertemperatur registriert. Über die Corona Pandemie erfahren die Dorfbewohner nur über Fernsehen, soziale Medien oder Gerede. Niemand von ihnen konnte es aber richtig nachvollziehen, weil es so weit weg war – was zu Unsicherheit führte. Es war absolut verboten, Beerdigungen zu besuchen; die konnten gar nicht stattfinden. Normalerweise dauert eine Beerdigung drei Tage mit über tausend Teilnehmern. In die Krankenhäuser durfte man als Besucher auch nicht. Allerdings fand vieles wie gewohnt statt.

Auf ihrer Website haben Sie geschrieben, dass die AGs nicht stattfinden – ist das immer noch so ? 

J-K: Das ist offiziell immer noch so. Es darf auch nicht gesungen werden, es wird aber trotzdem gesungen, weil singen etwas ganz Wichtiges in der Kultur Kenias ist. Offiziell haben die Schüler weder Sport- noch Musikunterricht, obwohl dieser sowieso nur in AGs stattfindet. Es war offiziell alles verboten. Der Unterricht ist extrem reduziert worden, weil die Schulen acht bis zehn Monate absolut geschlossen hatten. Weil aber unsere Schule eine Privatschule ist, ist die Regierung da nicht wirklich hinterher. Sie fangen an mit Zweijährigen und es geht bis Ende der achten Klasse. Jeder Lehrer hatte dann irgendwie seine eigene Lösung. Manche Eltern hatten viel Platz, sodass sich die Lehrer dort mit den Schülern getroffen haben, andere haben vom Fenster aus Arbeitsmaterialien ausgeteilt, wiederum eine andere Lehrerin lief im Dorf umher und besuchte die Kinder. Irgendwann durften dann die Abschlussklassen wieder in die Schule. Die Regierung erachtete es aber für notwendig, die Prüfungen stattfinden zu lassen, sodass also die Terms (3 Monate Schule ein Monat Pause)  von drei auf vier erhöht werden mussten. Das heißt fast keine Ferien für die Schüler und Lehrer.  

Wie viele Schülerinnen und Schüler besuchen im Moment die Schule?

J-K: Vor der Pandemie hatten sie 167, doch durch die Corona-Pandemie haben einige die Schule verlassen. Vielleicht  gibt es jetzt nur noch 140 Schüler.  Doch mittlerweile kamen neue dazu, sodass es 184 Schüler gibt.

Welche Möglichkeiten haben die Schülerinnen und Schüler nach dem Abschluss?

J-K: Nur sehr gute Schüler werden vom Staat gefördert, alle anderen müssen leider selbst das Schulgeld aufbringen. Allerdings sollen alle Schülerinnen und Schüler nach der Mittelschule weiter unterrichtet werden. Jeder soll die 12.Klasse durchlaufen

Wie viele Schüler haben bei Ihnen schon die Schule durchlaufen?

J-K: Bisher gab es zwei Examen, also ca. 40 Schüler. Und das tolle ist, dass die Schüler, die von unserer Schule kommen, unglaublich gute Ergebnisse haben. Sie werden dann immer von den Schulen geholt; das ist nicht so wie hier, wo man schaut und überlegt, welche Schule einem gefällt, sondern man wird quasi gerufen. Die Essens der Ergebnisse werden veröffentlicht und als erstes dürfen die renommierten Schulen mit dem bestem Ruf wählen und die mit dem schlechtesten kriegen quasi den Rest. Das Problem ist, dass die sehr guten Schulen auch sehr teuer sind, wir müssen also abwägen, wo wir es uns leisten können, die Schülerinnen und Schüler weiter zu fördern.  

Ist das Gebäude weiter saniert oder modernisiert worden?

J-K: Das Toilettenhäuschen, das durch den Regen zerstört wurde, steht mittlerweile wieder. Es gibt einen Neubau mit drei weitern Klassenräumen. Weil man mit schweren Regengüssen rechnet, musste das Fundament massiv sein. Das hat sehr viel Geld gekostet. An eine Modernisierung der Klassenräume ist im Moment  nicht zu denken. Es fehlen noch Scheiben und Türen. Der Garten, der eine große Fläche des Geländes ausmacht, ist leider nicht wie erwünscht grün und blüht, sondern durch die ausfallenden Regenzeiten vertrocknet. Aber zumindest sind die Bäume mittlerweile groß geworden und spenden Schatten, sodass auch dort Unterricht stattfinden kann.  

Sie haben es schon angesprochen: Wie macht sich der Klimawandel bemerkbar? 

J-K: Letztes Jahr gab es massive Überschwemmungen; da war erst alles schön gewachsen und dann verfaulte sicher alles. Von der Stabilität des Klimas sind sie genauso betroffen wie wir. Es gibt also nicht mehr die zwei Regenzeiten. Die kurzen Regen im Mai und die langen Regen im Oktober fallen jetzt ganz unterschiedlich aus. Die Temperaturen haben sich nicht weiter verändert, jedoch das Problem mit dem Wasser.

Für welche Projekte wurden bisher die Spenden des Katharineums verwendet? 

J-K: Der Bau des neuen Gebäudes das hat 20 000 Euro gekostet. Das Geld floss auch in Schulbücher, Tische und Stühle für die neuen Räume; aber es konnten z.B. auch ein Badmintonschläger von den Spenden angeschafft werden.

Vielen Dank für das informative Interview!

 

Redaktion der Website-AG