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Social Media-Verbot für Jugendliche? – So steht die Mittelstufe unserer Schule dazu

Social Media-Verbot für Jugendliche? – So steht die Mittelstufe unserer Schule dazu
Umfrage Wipo

Brain rot, geringe Aufmerksamkeitsspanne und sogar der Rückgang kognitiver Leistungen sind mögliche Auswirkungen, die mit einem hohen Social Media-Konsum aktuell debattiert werden. Deshalb haben wir uns, die 10d, in den letzten zwei Wochen im Rahmen des WiPo-Unterrichts damit befasst. Aktueller Anlass dafür ist, dass im vergangenen Dezember in Australien ein Gesetz für ein Verbot von sozialen Medien für unter 16-jährige Jugendliche in Kraft getreten ist.

Eingangs haben haben wir uns mit den Gründen dieses Gesetzes beschäftigt. Der Gesetzvorschlag wurde bereits am 21. November 2024 im australischen Parlament eingebracht. Dabei soll der Zugang zu TikTok, Instagram etc. für unter 16-Jährige verboten werden. Um dies zu ermöglichen, nutzt Australien künstliche Intelligenz. Darüber hinaus müssen die Plattformen individuelle Lösungen für die Jugendliche finden, wie beispielsweise das Einscannen des Ausweises beim Registrieren. Zudem müssen sich die Unternehmen intensiver um den Datenschutz ihrer Nutzer kümmern und strenge Richtlinien über KI-Inhalte, Falschinformationen sowie illegale Inhalte erstellen. All dies soll Jugendliche vor den schädlichen Folgen des ausufernden Medienkonsums schützen.

Die oben genannten Probleme existieren jedoch weltweit, insbesondere auch in Deutschland, weshalb sich uns die Frage stellt, was dafür und dagegen spricht, ein solches Gesetz auch bei uns einzuführen.

Gegen ein Verbot von sozialen Medien für unter 16-Jährige spricht, dass man es als Einschränkung der Meinungsfreiheit sehen könnte. In Artikel 5 des Grundgesetzes ist die Meinungsfreiheit festgelegt: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten.“ Plattformen wie TikTok oder Instagram werden häufig von Jugendlichen genutzt, um ihre Meinung zu diversen Themen zu bilden und zu äußern. Sie können sich mit Menschen aller möglichen Altersgruppen über viele Themen austauschen.

Außerdem haben soziale Medien eine positive Auswirkung auf die Medienkompetenz vieler Jugendlicher, die sich durch die häufige Nutzung bereits gut in digitalen Bereichen auskennen. Diese Kompetenzen kommen ihnen vor allem heutzutage zu Gute. In vielen Schulen wird nur noch digital gearbeitet, und durch die bereits vorhandene Medienkompetenz der Jugendlichen kann auf aufwendige Einführungen verzichtet werden.

Zudem kommt, dass Jugendlichen durch ein Social-Media-Verbot der Zugang zu wichtigen Communities (insbesondere vielfältige Facetten des Lebens) verloren ginge. Beispielsweise finden queere Jugendliche, die in ihrem Umfeld nicht akzeptiert werden, Zuflucht in Schutzgruppen durch Menschen, denen es ähnlich ergeht.

Für ein Verbot spricht jedoch, dass soziale Medien die Aufmerksamkeitsspanne von Jugendlichen stark beeinträchtigen – besonders in einem Alter, in dem sich das Gehirn noch entwickelt. Es heißt, die Aufmerksamkeitsspanne hängt von der Dauer der Konzentration sowie von der Umgebungssituation und vom Stress ab. Eine im Buch erwähnte Studie von Microsoft belegt, dass die Aufmerksamkeitsspanne im Jahr 2000 noch 13 Sekunden betrug und im Jahr 2015 nur noch 8 Sekunden. Die Aufmerksamkeitsspanne eines Internetnutzers beträgt heute nur noch 3–5 Sekunden. „Diese Spanne ist sogar kürzer als die eines Goldfisches.“ (Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2024, S. 16)

Vielen fällt es schwer, sich im Unterricht zu konzentrieren oder überhaupt eine Unterhaltung zu führen, ohne am Handy zu sein oder Benachrichtigungen zu überprüfen, ohne mit der Angst zu leben, etwas zu verpassen (fear of missing out).

Ein weiteres Argument ist, dass Jugendlichen zunehmend der Bezug zur Realität fehlt. In ihrer Freizeit liegen sie lieber stundenlang im Bett und scrollen auf ihrem Handy. Sie vernachlässigen ihre Hobbys und treffen sich kaum noch mit ihren Freunden. Ihr Leben verläuft nun fast ausschließlich digital.

Für uns am Wichtigsten – und damit zusammenhängend – ist die Auswirkung der sozialen Medien auf die mentale Gesundheit. Bei mehr als 25 % aller 10- bis 17-Jährigen gibt es eine riskante oder pathologische Nutzung sozialer Medien, und insgesamt sind rund 1,3 Millionen junge Menschen betroffen (DAK-Suchtstudie, März 2025 ). Durch den konstanten Vergleich mit unrealistischen Körperbildern oder Lebensidealen können Jugendliche ein gestörtes Selbstbild entwickeln. Daraus entstehen oft psychische Krankheiten wie Depressionen, Angstzustände oder Anorexie.

Auch sexuelle Übergriffe oder Suchtverhalten können durch das Internet begünstigt werden. Bezüglich dieses Themas wurde 2024 eine Masterarbeit von Carla Greier an der Fakultät für Sportwissenschaften verfasst, die folgenden Satz beinhaltet: „Wenn bereits im jungen Kindesalter solche Ideale verinnerlicht werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit ihrem eigenen Körper unzufrieden sind“ (Götz, 2022).

 

Während wir uns mit dem Thema beschäftigt haben, wollten wir zudem die Meinung unserer Schule dazu herausfinden. Zusätzlich hat uns die Haltung der Schulgemienschaft, speziell die Meinungen der Mittelstufe interessiert. Deshalb haben wir eine Umfrage in den Jahrgängen 7 bis 10 sowie unter der Lehrerschaft durchgeführt. Das Ergebnis ist gemischt ausgefallen.

Bei der Frage, ob die Nutzung sozialer Medien für unter 16-Jährige in Deutschland gesetzlich verboten werden soll, lässt sich eine klare Position der Mittelstufe erkennen. Während sich zehn der befragten Klassen überwiegend dafür aussprechen, sind die restlichen sechs eher dagegen. Dabei zeigen sich deutliche Muster, die aus ihren Altersunterschieden und somit unterschiedlichen Erfahrungen mit sozialen Medien resultieren könnten.

In den siebten Klassen sind die Antworten tendenziell positiv ausgefallen. Innerhalb des 8. Jahrgangs ist das Meinungsbild ausgeglichen; insbesondere die 8b ist sehr neutral mit über 40 % Enthaltungen. Drei der vier neunten Klassen sind deutlich für ein Verbot. Die Ausnahme ist die 9d, die das gegenteilige Ergebnis zeigte. Ähnlich verhält es sich im 10. Jahrgang: In der 10a und 10b spricht sich der Großteil der Schülerinnen und Schüler dafür aus, während die 10c den gegenteiligen Standpunkt vertritt.

Betrachtet man die Lehrkräfte, fällt auf, dass sich deren Meinungen ebenfalls stark unterscheiden. Die Hälfte der befragten Lehrkräfte (15) sind für ein Verbot, der Rest dagegen.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Mehrheit der Klassen eher für ein Verbot ist – wenn auch nicht alle.

Zusammenfassend sind die Gefahren, die von sozialen Medien ausgehen, sehr groß. Wir bewerten diese als schwerwiegender als die erhöhte Medienkompetenz, die durch umfangreiche Nutzung sozialer Medien entstehen kann. Das Risiko psychischer Krankheiten wiegt für uns schwerer. Man kann die genannten Kompetenzen auch später im Leben erlernen und ist durch ein Verbot im jungen Alter besser geschützt.

Eure 10d

 

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