Städtisches Gymnasium für Jungen und Mädchen mit altsprachlichem Zweig | seit 1531

Unterm Kirschbaum mit Frau Bünger und Herrn Hampel

Wir hatten die Ehre, Frau Bünger (B) und Herrn Hampel (H) unterm Kirschbaum interviewen zu dürfen. Zusammen haben Sie immer fünfte Klassen übernommen und waren ein tolles Klassenleitungsteam. Vor zwei Jahren wurde Herr Hampel pensioniert und Frau Bünger ist an eine Grundschule gegangen. Jetzt ist sie wieder zurück am Katharineum und wir konnten die beiden zusammen interviewen.

 

Welches Fach unterrichten Sie/haben Sie unterrichtet?

B: Ich unterrichte Deutsch, Sport und Religion.

H: Ich habe Mathe, Bio und Musik unterrichtet.

 

Warum haben Sie sich für diese Fächer entschieden?

H: Für Mathe habe ich mich entschieden, weil ich gerne ein Hauptfach haben wollte, und da kam neben Englisch und Deutsch für mich nur Mathe infrage, also habe ich dann Mathe gemacht. Bio habe ich aus Interesse gemacht und in Musik bin ich irgendwie reingerutscht. (lacht)

B: Bei mir war es ähnlich. Also Deutsch und Sport unterrichte ich, weil das meine Lieblingsfächer in der Schule waren. Religion habe ich nachträglich erworben, allerdings nur für die Klassenstufen 1 bis 10. Ich hatte gemerkt, dass ich nicht, bis ich 67 Jahre alt bin, am Reck hängen kann. Also musste da eine Alternative her, deswegen kam Religion dazu. Sodass ich mich später aus dem Sport schleichen kann … damit fange ich jetzt schon an. Ich möchte eigentlich weniger Sport, es geht inzwischen nicht mehr. (lacht)

 

Wo haben Sie studiert?

B: Ich habe, ganz langweilig und bodenständig, in Kiel studiert.

H: Und ich ganz interessant in Hamburg. Aber das eigentlich auch nur, weil meine spätere Frau dort studiert hat.

B: Erzähl mal, wie du deine Frau kennengelernt hast.

H: Ich habe meine Frau im Katharineum kennengelernt. Sie war in meiner Parallelklasse. Wir haben uns in der siebten Klasse im Schulorchester kennengelernt, sie hat in der ersten und ich in der dritten Geige gespielt. Ich sag immer so schön: „Bezüglich der Stimmenverteilung hat sich auch bis heute nichts geändert.“ Dann haben wir uns in der damaligen ‚Unterprima‘, der heutigen 12. Klasse, lieben gelernt.

 

Wie lange unterrichten Sie bereits am Katharineum/haben Sie hier unterrichtet?

B: Ich habe 2001 angefangen. Das müsstet ihr für mich ausrechnen;) Etwa 20 Jahre.

H: Ich habe 1983 mit meinem Referendariat angefangen und 1985 war ich dann ein „fertiger Lehrer“. Dann war ich zuerst ein halbes Jahr in Ratzeburg an der Gelehrtenschule, danach sieben Jahre an der Gesamtschule Wilhelmsburg in Hamburg, weitere sieben Jahre an der Prenski-Schule hier in Lübeck und dann 20 Jahre am Katharineum.

 

Wollten Sie schon immer Lehrer:in werden?

B: Ich würde sagen, ja. Ich wollte eigentlich immer Lehrerin werden, aber nicht nur inhaltlich, sondern ich wollte zügig sicheres Geld verdienen. Das war meine Ursprungsidee und so langsam wird es auch gut;) – An Herrn Hampel: Seit du weg bist, wird es wieder schlechter.

H: Ich hatte nach dem Abitur erstmal ein bisschen mit Medizin geliebäugelt, aber dafür war mein Notenschnitt zu schlecht, dann hätte ich zu lange warten müssen. Und dann fand ich den Beruf Lehrer ganz gut. Mein Vater war auch Lehrer also kannte ich schon die Vorzüge des Lehrer-Seins, wie sie damals waren.

B: Bei mir ist keiner in der Familie Lehrer:in und ich werde auf Familienfeiern immer veräppelt.

 

Was war Ihr Lieblingsmoment mit Schüler:innen?

B: Also mit Dietmar (Herrn Hampel) hatte ich sehr viel witzige Momente. Wenn wir einen neue Klasse kriegen, singen wir immer am Anfang. Das eine Mal hatten wir eine sehr große Klasse mit mehreren Schülern aus der Knabenkantorei und die sangen mit ihren glockenreinen Stimmen. Ich singe auch sehr gerne, sehr laut und sehr schlecht. Und dann merkte ich, wie einige Jungen langsam von mir abrückten und sich das eine Ohr ein wenig zuhielten. Ich habe sie gefragt, was los sei und einer sagte: „Es tut mir leid.“, da kannten wir uns ja erst ein paar Augenblicke, „aber ich bin sonst so irritiert.“. Da musste ich wirklich lachen, das war sehr witzig. Aber es gab wirklich viele sehr schöne Momente. (An Herrn Hampel) Dietmar, hast du ein „Hammer-Erlebnis?“

H: Ne, habe ich eigentlich auch nicht. Ich erinnere mich natürlich an ganz viele Fahrten, die ich mit Schülerinnen und Schüler gemacht habe, mit dem Orchester, mit den Klassen, mit Frau Bünger… der „Guten-Morgen-Blues“. Auch viele Aufführungen mit dem Orchester und der Jazz- Combo… das sind alles unvergessliche Momente.

 

Was gefällt Ihnen am Katharineum am besten?

B: Das Gebäude der Schule ist so schön! Ich komme immer gerne hierher. Der Kreuzgang ist besonders schön. Und natürlich die Schüler:innen und das Arbeiten in der Klasse, das ist toll! Ich war ja auch woanders, also kann ich das mittlerweile ganz gut beurteilen, wie gut wir es hier haben. Das finde ich total toll.

H: Ich finde natürlich am besten, dass ich meine Frau hier kennengelernt habe. Man muss auch sagen, dass ich durch die Schule Kontrabass spielen gelernt habe, die Schule hat damals zu Anfang einen Teil des Kontrabass-Unterrichtes gezahlt und durch das Kontrabass-Spielen habe ich erst einen Einstieg in die Musik bekommen. Das habe ich dem Katharineum zu verdanken.

 

Was ist Ihr Lieblingsort am Katharineum?

B: Der Kreuzgang, wie ich bereits sagte, ist auf jeden Fall einer meiner Lieblingsorte. Der Ruhehof ist auch toll und ich mag den Übergang von der Schule zur Kirche wirklich gerne.

H: Mein Lieblingsort war der runde Tisch im Lehrerzimmer.

 

Wie war/ist die Zeit abseits vom Katharineum für Sie?

H: Also ich bin tatsächlich sehr entfernt von der Schule. Obwohl es nur zwei Jahre sind, die ich weg bin, bin ich eigentlich schon ganz raus. Ich habe noch zu einigen Kolleginnen und Kollegen guten Kontakt und wenn Konzerte stattfinden, dann bin ich auch immer dabei, aber ansonsten habe ich in meinem Alltag nicht mehr so viele Berührungspunkte.

B: Ich war ja ganz woanders. Anderer Schultyp, anderer Stadtteil. Das durfte ich mir so aussuchen, dass ich etwas ganz anderes mache. Das war schön, aber auch sehr anstrengend. Wenn ich das Revue passieren lasse, finde ich es nicht schlecht, dass ich diese zwei Jahre raus war. Ich habe hier auch meine Ausbildung gemacht und dann bleibt man häufig „die kleine Referendarin“ und jetzt ist es vielleicht etwas anders. Also es war gut, zwei Jahre weg zu sein, aber mit so jungen Schüler:innen zu arbeiten, das liegt mir leider nicht so gut. Es ist auf jeden Fall schön, wieder hier zu sein, aber auch schön, etwas anderes gesehen zu haben.

 

An Frau Bünger

Auf welcher Grundschule waren Sie?

B: Die Grundschule heißt ‚Moislinger Mühlenweg‘.

 

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Grundschule für einige Zeit zu besuchen?

B: Es gab zu der Zeit ein Rundschreiben. Die Grundschulen sind ja wirklich stark unterbesetzt und haben versucht, den Mangel durch Kolleg:innen von Gymnasien auszugleichen. Herr Poetzsch-Heffter hat mir dieses Schreiben gegeben und da konnte man unkompliziert zwei Jahre an einer Grundschule arbeiten und danach wieder an die Heimatschule zurückkehren. Das passierte also alles ohne Risiko, mit richtigem Auffangnetz. Dann ging Dietmar und Herr Hoffmann und dann veränderte sich zu der Zeit so viel, dass ich gesagt habe, jetzt gehe ich auch mal.

 

Welche Fächer haben Sie auf der Grundschule unterrichtet?

B: Ich sage immer so schön: Turnen, Beten und Tuschen. Also Sport, Religion und Kunst und das war sehr schrecklich, weil man in jeder Klasse nur eine Unterrichtsstunde hatte und mit diesen Fächern war das oft sehr chaotisch. Dann kam Corona dazu und da hatte ich das Glück, für eine schwangere Kollegin die Vertretung zu übernehmen. Das war sehr schön. Da habe ich für einen kurzen Moment überlegt, ob ich doch dort bleibe.

 

Was würden Sie sagen, ist der größte Unterschied zwischen der Moislinger Grundschule und dem Katharineum?

B: Für mich als Lehrerin gab es von der Größe her einen großen Unterschied. Dieses Riesenunternehmen Katharineum und auf der Moislinger Schule waren wir 13 Kolleg:innen. Das war sehr übersichtlich. Man hatte dadurch eine ganz schnelle Kommunikation. Wir hatten nur eine WhatsApp-Gruppe. Also kein E-Mail-Programm. Außerdem gefiel mir die Medienausstattung. Es war ganz toll, dass die Moislinger Mühlenweg Schule sehr gesponsert wurde. Wir hatten alles von Apple. Ich wurde begrüßt und erhielt gleich mein Apple iPad. Wir wurden betreut von Jessen Lenz in der Hüxstraße und die haben immer alles erklärt, was wir brauchten. Das mit der Technik ist noch ein bisschen anders hier. Hier ist immer jeder Raum eine Überraschung, sage ich mal. (lacht)

 

Wie unterscheidet sich Ihr Unterrichtsstil von Grundschule zu Gymnasium?

B: Gar nicht. Also ja, die Themen sind ganz anders. Aber so als Mensch bin ich, glaube ich, ziemlich gleich.

 

An Herrn Hampel

Vermissen Sie es zu unterrichten?

H: Eigentlich nein. Es ist sehr schön, ein Leben nach der Schule zu haben. Ich habe jetzt seit ein paar Wochen ein Projekt angefangen, dass ich bei Hausaufgaben unterstütze. Ich gebe dreimal pro Woche nachmittags, montags, mittwochs, freitags zwei Stunden von 15:00 bis 17:00 Uhr Hilfe bei Hausaufgaben. Hinterher mache ich montags mit den Kindern und Jugendlichen ein bisschen Musik, am Mittwoch ist Sport dran und am Freitag setzen wir uns noch mal gemütlich zusammen, und reden auch noch mal über die wichtigen Dinge des Lebens, und das macht mir sehr Spaß. Ich unterrichte in dem Sinne jetzt auch zurzeit. Aber eben Einzelne und unterstütze.

 

Was fanden Sie so toll daran, die Jazz Combo bzw. das Orchester zu leiten?

H: Weil man die Schülerinnen und Schüler da unwahrscheinlich gut kennen gelernt hat. Ich habe ja die, die bei mir damals im Junior-Orchester angefangen haben, acht Jahre lang begleitet und jedes Jahr eine Fahrt mit denen gemacht, manchmal auch zwei, wenn es dann im Frühjahr nach Oslo ging. Diese intensiven Begegnungen kann man nicht mit dem normalen Unterricht vergleichen. Es war mir auch in den Jahren immer schwerer gefallen, die Leute, mit denen man sehr lange zusammen war, mit dem Abitur zu verabschieden. Dann waren sie weg und das waren ja eigentlich meine Freunde und Freundinnen, die da gegangen sind. Das hat mich immer traurig gemacht.

B: Jetzt weine ich gleich. Das hast du schön gesagt.

 

Haben Sie noch Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen?

H: Ja. Zu einigen. Da schreibe ich mal hier und da eine WhatsApp. Und wir haben eine legendäre Bundesliga-Tipp-Gruppe. Da bin ich immer noch dabei. In diesem Jahr auch sehr erfolgreich. (lacht)

 

Haben Sie seit Ihrer Pensionierung ein neues Hobby entdeckt?

H: Ja, ich habe mir zwischenzeitlich ein Cabrio von 1995 gekauft, einen BMW 328i und an dem schraube ich immer gern herum. Den versuche ich dann in vier Jahren zum Oldtimer zu machen.

B: Wie schön!

 

Das mit dem Cabrio haben wir tatsächlich schon gehört. Wie ist es denn zu dem Kauf gekommen?

H: Das war irgendwie eine Kurzschlusshandlung. Ich dachte mir, jetzt guckst du einfach mal, ob du irgendwo ein günstiges findest, und dann hat sich eins aufgetan. Ich bin mit einem Freund nach Leipzig gefahren und das haben wir einfach mitgenommen und schon stand es bei mir in der Garage.

 

Was ist Ihr Lieblingsfest am Katharineum?

B: Abiball! Den Abiball finde ich immer toll. Das freut mich immer, wenn die Schüler:innen dann so groß und erwachsen sind.

H: Last Night of the P.R.O.M.S., das ist immer eine großartige Sache.

 

Was mögen Sie besonders daran, Klassenlehrer:in zu sein?

B: Eigentlich genau das, was du mit den Fahrten sagst. Da lernt man die Schüler:innen besser kennen. Wir sind dann die Ansprechpartner. Man kann seine Klasse ein bisschen anders ansprechen und anfassen. Also anfassen im übertragenen Sinne. Das ist total gut. Ganz anders als im Fachunterricht.

H: Frau Bünger und ich waren ja einige Durchgänge immer in der fünften und sechsten Klasse zusammen ein Team und das war großartig, aus solchen Einzelindividuen eine Klassengemeinschaft zu formen. Das hat mir eigentlich immer besonders viel Spaß gemacht. Und ich denke auch, wenn wir zusammen die Corona-Zeit hier gewesen wären, hätten Frau Bünger und ich das ganz gut hinbekommen, eine Klasse durch diese Corona-Zeit zu unterstützen und zu leiten.

 

Wie würden Sie Ihr Klassenlehrerteam in drei Worten beschreiben?

H: Oh!

B: Oh!

B: In drei Worten? Chef und Sekretärin. (beide lachen)  Aber so eine Miss Moneypenny schon. Also schon was Nettes.

H: Lustig, immer auf Gemeinsamkeiten aus.

B: Also, es gab nie Streit, ne.

 

Wir haben jetzt noch ein kleines Fragengewitter:

Kaffee oder Tee?

B: Cappuccino.

H: Kaffee

Berge oder Meer?

B: Eher Meer.

H: Ich: Meer, meine Frau: Berge.

Hund oder Katze?

B: Hund.

H: Wenn, Hund.

Analog oder digital?

B: Analog.

H: Analog.

Auto oder Fahrrad?

H: Meistens Auto, lieber Fahrrad.

B: Und ich meistens Fahrrad und lieber Auto.

(Alle lachen.)

Lesen oder Fernsehen?

B: Ich mag beides sehr gerne.

H: Fernsehen.

B: Dann ich auch Fernsehen, als Deutschlehrerin. Das macht sich gut. (lacht)

Sommer oder Winter?

H: Sommer, eindeutig.

B: Ich nicht so eindeutig. Ich mag auch gerne richtig Winter, wenn es Winter gäbe. Glitzerschnee und so.

Lieblingsaktivität im Lockdown?

B: Faulenzen.

H: Auf dem Sofa.

Was ist Ihr Lieblingsfach zum Unterrichten?

B: Auf jeden Fall Deutsch. Deutsch und Religion.

H: Bio.

Lieblingsort für Klassenfahrten?

B: Mhm, das ist eigentlich egal, obwohl, dieser Campingplatz. Mit der Liane. Das war schon schön.

H: Römnitz. Obwohl, einmal bin ich mit Herrn Kapp nach Sorent gefahren, nach Italien. Das war unvergesslich.

 

Vielen Dank für das Interview.

H: Vielen herzlichen Dank, dass wir hier sein konnten.

B: Ja, das war so schön. Und danke, dass wir hier zu zweit sitzen durften. Das ist so schön für mich.

Redaktion des Website-Teams