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Unterm Kirschbaum … mit den Teilnehmern der Lübecker Debattiermeisterschaft

Wir haben ein Interview mit Greta Radke (Q1a, GrR), Hannes Ahrens (Q1b, HaA) und Lise Gerke (Q1b, LiG) zu der Lübecker Debattiermeisterschaft 2021 geführt. Sie haben uns von ihren Erfahrungen, Eindrücke und den Ablauf berichtet. Viel Spaß beim Lesen!

Wann war die Lübecker Debattiermeisterschaft?

LiG: Am 08.Mai.2021.

 

Welche Schulen haben teilgenommen und wie viele Teilnehmer waren es ungefähr?

HaA: Am Anfang waren neben den Altstadtgymnasien noch das Trave-Gymnasium und die Thomas-Mann-Schule dabei. Da waren wir insgesamt ungefähr 15 Teilnehmer. Das hat sich mit der Zeit etwas ausgedünnt, sodass wir am Ende noch acht Teilnehmer von allen Schulen außer der OzD und des Trave-Gymasiums waren.

 

Habt ihr euch dafür beworben oder wurdet ihr ausgewählt?

HaA: Grundsätzlich hat uns Frau Arndt, unsere Deutschlehrerin, kurz nach den Herbstferien etwa, gefragt, ob wir Interesse hätten, daran teilzunehmen. Dann haben wir von Frau Gerresheim nochmal eine Anfrage bekommen, ob wir da wirklich teilnehmen wollen, dann wurde das auch verbindlich und somit waren wir dann dabei. Ich weiß allerdings nicht, ob sich irgendwer aus unserem Jahrgang beworben hatte, jedoch nicht angenommen wurde.

GrR: Ich weiß das auch nicht. Bei mir lief das auch zuerst über den Deutschunterricht, wo einige gefragt wurden und gesagt haben, dass sie interessiert wären. Ich weiß allerdings nicht, wie die Auswahl genau ablief.

LiG: Wir wurden dafür einfach vorgeschlagen und dann zufällig ausgewählt.

 

Wie ist der Ablauf einer Debatte im British Parliamentary Style?

GrR: Es gibt grundsätzlich die Regierung und die Opposition. Das heißt vier, die für, und vier, die gegen den Antrag argumentieren. Regierung und Opposition sind jeweils in zwei Fraktionen aufgeteilt, die eröffnende und die schließende. Der Antrag wird von der ersten Fraktion (eröffnende Regierung) gestellt. Jede Fraktion hat zwei Redner:innen. Insgesamt reden also acht Schüler:innen. Davon redet jede:r sieben Minuten. Es dürfen Zwischenfragen gestellt werden und es wird immer abgewechselt zwischen Regierung und Opposition.

 

Wie viele Runden gab es?

HaA: Also in einer Debatte hat jede:r eine Sprechzeit plus die Fragen, sodass jede Fraktion zwei Möglichkeiten hat in der Debatte von sich zu überzeugen.

 

Wie habt ihr euch darauf vorbereitet und wann habt ihr mit der Vorbereitung angefangen?

LiG: Ich glaube, das ist sehr unterschiedlich ausgefallen in den verschiedenen Gruppen. Die einzelnen Fraktionen sind ja immer Zweierpaare und die dürfen sich nicht mit dem anderen Team aus der Regierung oder Opposition absprechen. Also ich zum Beispiel war schließende Opposition und ich durfte mich nicht mit der eröffnenden Opposition besprechen. Ich habe mich mit meinem schließenden Partner am Mittwoch vor der Debatte (also vier Tage davor) vorbereitet. Da haben wir Informationen herausgesucht und aufgeteilt und am Tag danach nochmal abgesprochen, wie wir das genau einbringen und sprachlich überzeugend präsentieren.

 

Ihr habt ja in Teams debattiert: Wie sind die zustande gekommen?

GrR: Dieses Jahr war es nicht so, dass die einzelnen Schulen Teams gebildet haben. Das lag unter anderem daran, dass von einigen Schulen eben keine Teilnehmer:innen mitgemacht haben oder bei uns zum Beispiel jetzt drei. Wir durften uns die Teams deshalb aussuchen. Es gab dabei nur eine Einschränkung. Wir wurden in zwei Gruppen unterteilt und durften uns nur einen Partner/eine Partner:in von den anderen Gruppen aussuchen. Das heißt, dass wir zwischen sieben Personen wählen konnten. Es gab deswegen auch eigentlich nur schulgemixte Teams.

 

Habt ihr eine Übung aus dem Vorbereitungsseminar, die euch besonders in Erinnerung geblieben ist?

LiG: Wir hatten uns ein paarmal am Wochenende getroffen. Da wurde uns erklärt, wie das ganze Prinzip funktioniert, und da haben wir auch Übungsdebatten gemacht. Woran ich mich neben den Debatten am besten erinnern kann, war das Zungenbrecher-Üben ganz am Anfang. Da haben wir gelernt, wie man richtig vorträgt, und wir sollten viele Zungenbrecher sagen und sie gegenseitig überzeugend erzählen.

HaA: Wir hatten außerdem eine Übung, bei der wir gelernt haben, wie man seine Aussagen mit Metaphern verstärken kann. Dazu hatten wir dann verschiedene Übungen und da kam beispielsweise zustande: die Flaschenpost, die sich von den Wellen hin- und hertragen lässt; oder das Pferd, das auf einer grünen Wiese steht und die zum Leben braucht. Da ist mir besonders im Gedächtnis geblieben, wie verschieden Personen ein Argument verbildlichen können.

 

Gab es Preise zu gewinnen?

GrR: Es gab eine Urkunde und ein Rotter Glas, auf dem Lübecker Debattiermeisterschaft 2021 eingraviert ist, zu gewinnen. Alle haben auch regelmäßig Schokolade zugeschickt bekommen. Also die haben sich ganz lieb um uns gekümmert.

 

Was war euer Lieblingsthema, zu dem ihr debattiert habt und warum?

HaA: Wir haben einmal darüber debattiert, ob jährlich am Tag der Deutschen Einheit in jeder Landeshauptstadt immer abwechselnd eine Militärparade abgehalten werden sollte. Da gab es die typischen, sehr national-konservativen Argumente bzw. dann die sehr Europa zugewandten und liberalen Argumente.

LiG: Eine Debatte, die ich recht lustig fand – das lag aber hauptsächlich an der einen Metapher, die sich durch die Debatte zog –, war die Debatte um das Thema, ob die Legislaturperiode im deutschen Bundestag auf acht Jahre verlängert werden sollte. Die Metapher um ein Auto kam irgendwann auf und wurde dann immer weiter ausgeführt. Das Auto fuhr nach Rügen und plötzlich war dann ein Gewitter und es fuhr nach Kroatien statt nach Spanien und irgendwann lenkte es dann doch.

GrR: Das waren auch die beiden Debatten, die mir eingefallen wären, weil das von allen die politischsten Themen waren, wo wir gemerkt haben, wie schwierig es ist, auch mal die andere Position einzunehmen, von der man selbst gar nicht so unbedingt überzeugt ist.

 

Was habt ihr daraus für Erfahrungen mitgenommen?

LiG: Wie man gute Metaphern entwickelt und wie man es schafft, gut zu argumentieren, z.B. in einer Klausur. Wir haben kurz nach dem letzten Training eine Klausur in WiPo geschrieben, in der wir auch eine Rede schreiben sollten, die argumentativ war. Da konnte man gut ein paar Sachen anwenden, die wir gelernt hatten, um zu überzeugen.

HaA: Ich finde, man kann auch dieses schnelle Verpacken seiner eigenen Meinung oder einer allgemeinen Äußerung mit Informationen, die man von anderen bekommt, überall anwenden. Wenn beispielsweise in einer Debatte ein anderer Redner ein sehr provokantes Argument bringt, muss man dies schnell erkennen und gut darauf antworten oder die Antwort in seine eigene Rede mit einbauen können. Ich finde, dieses schnelle Wahrnehmen und Verarbeiten von Informationen wurde mir hier gezeigt.

GrR: Ich denke, es war auf jeden Fall eine Abwechslung, weil wir ja sonst eher diskutieren als debattieren und diese geordnete Form des Austauschs auch spannend war. Manchmal wurde man auch dazu verleitet, dazwischen zu reden und aus dieser geordneten Form auszubrechen, aber es hat auch Spaß gemacht, mal etwas Anderes auszuprobieren.

 

Wo denkt ihr, werdet ihr eure Kenntnisse beim Debattieren anwenden können?

HaA: In der Schule und für mich persönlich definitiv auch später, also in meiner Berufsbahn bzw. Studienwahl. Also in der Schule, in WiPo beispielsweise, oder auch generell bei Erörterungen, wenn man ein Argument belegt und schaut, wie man es gut verpackt; dort kann man das einfließen lassen. Ich möchte mich später auch in einen Berufsbereich eingliedern, bei dem ich denke, dass mir das durchaus später helfen kann, und deshalb finde ich es auch sehr gut, dass es diese Möglichkeit gibt, sich dafür zu bewerben.

LiG: Ich finde auch, dass man, obwohl es alles online war, ein Gefühl dafür bekommen hat, vor einer Gruppe zu sprechen. Auch wenn es nur ein Bildschirm war, wusste man ja, dass alle zuhören, und man hat auch die Reaktionen in den Gesichtern der Anderen gesehen. Das hat einem ein bisschen geholfen, vor einer Gruppe gut sprechen zu können. Ich denke, auch bei Klausuren kann das helfen, denn diese argumentativen Strukturen sind praktisch zu wissen.

GrR: Da schließe ich mich den beiden an.

 

Was findet ihr so spannend am Debattieren?

GrR: Ich finde daran sehr spannend, dass die Positionen, die man vertritt, zugelost sind und man sich dadurch auch in Positionen hineinversetzen muss, die man eigentlich gar nicht vertreten würde. Dadurch wird vielleicht die andere Position ein wenig nachvollziehbarer oder auch die eigene gestärkt. Auch, wenn es dadurch vielleicht in der Debatte emotional wird, haben wir uns am Ende jeder Debatte vor den Bildschirmen „verbeugt“, um aus der Position wieder herauszugehen. Danach haben wir uns noch weiter über das Thema unterhalten und vielleicht auch ganz neue Argumente diesbezüglich kennengelernt.

LiG: Ich kannte diese geordnete Struktur vorher nicht und deshalb finde ich es auch spannend, dass man wirklich nur seine sieben Minuten Zeit hat, seine Argumente zu präsentieren und auf Zwischenfragen einzugehen, aber man nicht, wie in einer Diskussion in der Schule oder zu Hause, hin und her wechseln kann. Und, wie Greta schon gesagt hat, dass man beide Seite gezwungenermaßen betrachtet, auch wenn man nicht für seine eigene Meinung debattiert.

HaA: Das sehe ich genauso.

 

Super, vielen Dank für das Interview!

Redaktion der Website-AG