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Studienfahrten der Q2a und der Q2d

Die Studienfahrt der Q2a nach Berlin: Besser spät als nie!

Es war schon lange klar gewesen, dass unsere Studienfahrt zum Traumziel Rom nicht stattfinden würde. Relativ spontan, dank sinkender Inzidenzen und steigender Impfquote, eröffnete sich aber die Möglichkeit, Ende September nach Berlin zu fahren. Das konnten wir uns nicht entgehen lassen. Mit Unterstützung von Frau Asmussen und Herrn Leibersperger realisierten wir schließlich die Planung: Wir hatten vier Tage in der Hauptstadt vor uns, gefüllt mit einem intensiven Kunst- und Kulturprogramm.

Der Montag begann allerdings zunächst mit einer Herausforderung unserer Bein- und Rückenmuskulatur. Um die Stadt kennenzulernen unternahmen wir einen vierstündigen Spazier- und Stadtrundgang mit vollem Reisegepäck, wobei wir uns gegenseitig ausgewählte Sehenswürdigkeiten vorstellten. Verschwitzt, hungrig und erschöpft nach so viel Sport und Geschichte genossen wir es, den Abend schließlich entspannt im Theater ausklingen zu lassen, bei einer Aufführung von Molières „Menschenfeind“.

 

 

Hauptfokus war für die Künstler*innen in dieser Woche der Gang durch die Kunstgeschichte in den Berliner Museen, als abiturvorbereitende Vertiefung. Unsere Lateiner*innen ließen sich dabei von uns mitschleifen, beziehungsweise an die Hand nehmen. Mit dem Besuch des Alten Museums, des Bode-Museums, und der Gemäldegalerie hatten wir schon am Dienstag (fast) Alles von der griechisch-römischen Antike, über Mittelalter, Renaissance und Barock bis zum 18. Jahrhundert gesehen.

Mit dem Ziel, unsere künstlerische Bildung auch auf die Moderne auszuweiten, nutzten wir mittwochs die Chance, uns in der Neuen Nationalgalerie und im Hamburger Bahnhof umzusehen. Um den kunsthistorischen Bogen bis in die aktuelle Zeit zu spannen und auch ein wenig Praxis einzubringen, sollte unser Graffiti-Workshop ein weiteres Highlight werden. Zwar begann dieser mit einer interessanten Einführung in das Thema Graffiti aus gesellschaftlicher, politischer und künstlerischer Sicht, jedoch ging der praktische Teil leider im Regen unter. Nachdem wir Sturzbäche und zwei Museen überstanden hatten, wurden wir mit einem Festmahl im italienischen Restaurant direkt am Brandenburger Tor belohnt.

 

 

 

Die Woche endete am Donnerstagmorgen aber doch noch auf einem künstlerischen Höhepunkt, denn wir durften bei einer Generalprobe der Berliner Philharmoniker dabei sein, und im Anschluss sogar einen der Musiker mit Fragen über seinen Beruf löchern.

 

 

 

Berlin ist zwar nicht Rom, aber trotzdem hatten wir eine lehrreiche Woche voller erinnerungswürdiger Erlebnisse und bereichernder Erfahrungen.

Laura, für die Q2a

 

 

Die Studienfahrt der Q2d nach Halle:

MONTAG:
Morgens, 0956: Nach dem allgemeinen Testen brechen wir mit zwei Ukulelen und E-Pianos, man ist ja schließlich das Musikprofil, mit gebührendem Norddeutschen Shietwedder und vor der geplanten Abfahrtszeit in Richtung Halle auf: die Stadt Händels und der fünf Türme (ganz klares Downgrade zu Lübeck). Die Fahrt wird anfänglich von Udo Jürgens‘ Diskographie begleitet, gleicht etwas später allerdings dem Nachtabteil des Orientexpresses.

Etwa zwei Stunden später: Inmitten der weiten Leere der Mecklenburg-Vorpommern’schen Wildnis treffen wir auf einer Autobahnraststätte die Q2A, die in Richtung Berlin unterwegs ist. Kurz werden Busse und Reisetempo verglichen, dann geht es weiter. In der zweiten Pause werden kurzerhand von einem an der Raststätte befindlichem Sonnenblumenfeld zwei dieser Pflanzen entwendet. Nach einigen Baustellen erscheint gegen 16:00 der „Hallenser Eiffelturm“, der sich später als Brückenpfeiler erweisen wird. Mittlerweile ist das Wetter aufgeklart, die Anzeige im Bus meldet 22 Grad Celsius Außentemperatur, eine Jacke ist also nicht mehr notwendig. Die Jungendherberge wird erreicht, die Zimmer werden bezogen, bevor wir dann um 17:15 ein paar Töne singen. Mehr dazu später.

Nach ein paar obligatorischen Runden Tischtennis und dem Abendessen brechen wir gegen halb acht in Richtung des Eselsbrunnen auf, wo eine Stadtführung mit Taschenlampe den ersten richtigen Kulturpunkt der Reise darstellt. Inhaltlich lässt sich diese etwa so zusammenfassen: Halle gibt es sehr lange (über 1200 Jahre). Die Stadt profitierte vom Salzhandel, einige Komponisten wie Händel wurden hier geboren, einer von Bachs Söhnen lebte dort. (Für uns Musiker:innen nicht ganz unwichtig). Über die Geschichte von Halle weiß man eher weniger Konkretes, vielmehr wird gemunkelt und in Anekdoten erzählt, sich das herausgesucht, was gut klingt. (Manche Parteien hätten das gerne für die Nationalgeschichte). Etwas nach der Nachtruhe ist man zurück in der Jugendherberge und begibt sich auf die Zimmer um klassenfahrtstypische Dinge zu tun.

DIENSTAG
Die erste Nachricht des Tages ist keine gute, denn Her Albert ist gesundheitlich nicht in der Lage den Tagesausflug nach Dresden mit anzutreten, vielleicht sogar weiter zu begleiten. Näheres dazu am Abend. Passenderweise hat uns das norddeutsche Shietwedder vom Vortag eingeholt. Unter Nieselregen wird die Stadtführung angetreten, nachdem wir etwas zu spät kamen, was die Schuld einer Straßenbahn war, die einen Porsche angefahren hatte. Das ärgerte unseren Busfahrer Bernd sehr, der uns jetzt am Rand einer Hauptstraße absetzte.

Wie auch immer, in Dresden waren noch mehr wichtige Musiker als in Halle, tatsächlich oftmals über mehrere Ecken miteinander verwandt. Dafür ist die Stadt eher weniger alt bzw. von Grund auf rekonstruiert und wieder aufgebaut. Das tut der schönen Architektur allerdings keinen Abbruch. Bis zur nächsten Führung stand Zeit zur eigenen Verfügung, die zum Erkunden der näheren Umgebung und besonders Cafés und ähnlichen Einrichtungen genutzt wurde.

Danach ging es in das Albertinum, dessen Namensursprung sich nicht auf einen gewissen Klassenlehrer zurückverfolgen lässt. Erst war es Abstellplatz für allerhand militärischen Krams, später dann ein Museum für die vielen Statuen in der Stadt. Tatsächlich wurden wir kompositorisch tätig, indem von Bildern in der Ausstellung einige in kurzen Klangcollagen vertont wurden. Man ist ja schließlich das Musikprofil. Das Ende einer Führung markierte immer ein von uns gesungener Kanon, der in der Akustik des überdachten Innenhofes sehr gut klang. Sogar die Töne stimmten!)

Die folgenden drei Stunden unterlagen dann wieder der individuellen Freizeitgestaltung. Da man den ganzen Tag relativ wenig gegessen hatte, bot sich das Aufsuchen eines Hauses mit irgendeiner Form von essbarem Inhalt an, um den Tag dann in der Dämmerung bei einem Spaziergang ausklingen zu lassen. Zurück an der Jugendherberge erwartete uns Herr Albert mit der Nachricht, den Rest der Fahrt nicht bleiben zu können. Frau Grigull war nun also alleinige Aufsichtsperson, bis irgendwann morgens Verstärkung aus Lübeck eintreffen würde. Immerhin blieb noch Zeit für ein paar Runden Werwolf im Flüstermodus, um die restlichen Gäste der Herberge nicht unnötig länger wachzuhalten. Mehr passierte dann auch nicht, es müssen ja schließlich Kräfte für den morgigen Tag, der einen Ausflug in einen Klettergarten vorsah, gespart werden.

MITTWOCH
Zweites und letztes Frühstück mit Herrn Albert, der alsbald in Richtung Lübeck aufbricht. Wegen der Wettersituation wird der Klettergarten auf den Nachmittag gelegt, um bis zur Abfahrt an den Beiträgen für die abendliche Soirée zu arbeiten (oder zu konzipieren). Eine Soireé ist ein bunter Abend, bei denen vom klassischen Klavierspiel bis hin zu Comedy alles vorgetragen werden kann.

Erst aber auspowern am Petersberg, wo erstmal das Mittagessen verdrückt, bis in verteilten Gruppen Teamtraining gemacht und andererseits geklettert wurde. Vor allem die Kommunikation sollte gestärkt werden. Der Kletterparcours war individuell gestaltbar, da er kein Rundkurs sondern in einzelnen Stationen zweistöckig nacheinander begehbar war. Jede:r konnte so den eigenen Schwierigkeitsgrad festlegen. Es soll vorgekommen sein, dass einzelne Hindernisse rückwärts, mit verbundenen Augen oder mit Tanzeinlage bewältigt wurden. Auch Frau Grigull konnte es sich nicht nehmen lassen, mitzuklettern, man ist ja Sportlehrerin. Die Rückfahrt war dann sehr still, weil das Klettern dann doch nicht ganz unanstrengend war.

Nach dem Abendessen und der Ankunft von Frau Spenner und dem Beisein Herrn Alberts über einen Videoanruf startete die Soireé. Louisa begann mit einem selbstgeschriebenen Text zum Thema des Abends „unbeschriebenes Blatt“, während Michael in bester Jazz-Manier passende Hintergrundmusik improvisierte. Louisa sinnierte über den Vergleich zu Matheklausuren und neue Anfänge, zu denen man den Mut haben sollte, und das Umblättern für uns nach dem Abitur. Das Blatt würde nun beschrieben. Wie der Abend, der sich immer mehr füllen wird.

Ela begann mit der Deklamation einiger ausgewählten Verse aus Goethes Faust, um sie dann gereimt zu kommentieren, gefolgt von zwei Stücken für Klavier, eines von Chopin, eines von Mendelssohn. Während der Darbietung wurde dann der Nachteil eines E-Pianos im Vergleich zu einem „richtigen Klavier“ sichtbar: Die Pedale rutschten regelmäßig weg, wurden allerdings von den Moderatoren Jonas und Jakob wieder zurechtgerückt. Die Beiden überzeugten immer wieder mit humorvollen Moderationen.

Vanessa sang mit Klavierbegleitung von Ella auf Russisch über einen Russen, der mit Liebeskummer morgens um sechs am Kamin singt. Die Performance war im Vergleich zur vorherigen zwar wesentlich kürzer (wie dieser Absatz) aber nicht weniger emotional.

Julian sang (ohne Mikrofonverstärkung) Misty und I Don’t Wanna Miss A Thing und begleitete sich selbst am E-Piano. Nach anfänglichen Hängern, die vom Publikum super entspannt angenommen wurden, überzeugte er durch kraftvollen und gefühlvollen Gesang, was sich am Applaus danach beweisen ließ. Herr Albert schwenkte eine Taschenlampe durchs Bild.

Auch Frau Grigull hatte etwas vorbereitet: Sie stellte einen alten französischen Chanson vor und übersetzte die Strophen für diejenigen unter uns, die der französischen Sprache nicht ganz so mächtig sind. Das Lied selbst handelte von der Musik und wie sie hilft, viele Situationen zu meistern. Bespiele dafür fand sie auch in unserer Klasse, schließlich hatte Herr Albert extra einen Kanon eingeübt, den wir nach Führungen immer sangen und der gelegentlich die Menschen berührte. Musik hilft nun mal durchs Leben, das machte der Chanson klar.

Der erste und ernste Teil der Soiree war nun durch und der komödiantisch gestaltete Teil begann: Das Moderatoren-Duo machte gute Stimmung und mit Luisa als Tombola-Girl wurde mit Freiwilligen aus den Reihen die Reihenfolge für die folgenden Sketche festgelegt.
Den Anfang machte die Gruppe von Kimya, Rahel, Poul und Tasha, die sich eine energetische Tanzchoreographie mit Regenschirmen ausgedacht hatten und für reichlich gute Laune sorgten.

Titus und Hanna beschlossen, etwas Naturwissenschaftliches zu erklären und spielten ihr Rap-Musikvideo über den Blobfisch vor. Diese Vorführung erntete gleichermaßen viel Gelächter wie Applaus. Vielleicht sollte im Bio-Unterricht öfter gerappt werden.

Als vorletztes Duo gaben Michael und Hermann ihr Version einer Kishon-Geschichte, genauer dem jüdischen Poker, zum Besten. Im Grunde geht es um Poker ohne Karten und ausgedachte Zahlen. Keiner kennt die genauen Regeln. Es wird geschummelt bis zum geht nicht mehr, schlussendlich landete das Geld beim glücklichen Hermann. Der die Regeln besser zu seinen Gunsten verbog. Ultimo.

Den Schluss bildetet Aurelius und Linus, die einen eigentlichen Poetry Slam Monolog zum Dialog machten, der die Telefonketten in Firmen auf die Schippe nahmen. Die Anweisung, die vom Chef kam und schließlich beim Praktikanten landete, wurde natürlich vollkommen verzerrt und auf dem Weg dahin wurde immer wieder gelacht. Quasi Stille Post im Berufsleben.

Um den Abend rund zu machen, spielte Louisa noch einen Rap zu ihrem Text vor. Nach diesem gelungenem und geselligen Abend wurde eingepackt und in die Zimmer aufgebrochen. Morgen geht es nach Leipzig in die Oper.

DONNERSTAG
Nach dem Aufstehen und dem mehr oder minder pünktlichen Erscheinem im Früstücksraum ging es dann flugs nach Leipzig. Die bevölkerungsreichste Stadt Sachsens, wie uns bei der Stadtführung versichert wurde. Man besichtigte die Innenstadt mit seinen Highlights: Gewandhaus, Paulinium, Nikolaikirche, Messehäuser, dem alten Rathaus und der Thomanerkirche. Natürlich immer mit Bezug zur Musik (man ist ja das Musikprofil): Bach und Mendelssohn sind einschlägige Namen für Leipzig, ferner Wagner, der oft und gut in der Oper gegeben wird.

Danach kurze Pause, dann Treffen am Gewandhaus zu einer sehr guten Führung, in der wir unter anderem mit dem Lastenaufzug fuhren, kurz mit dem Pauker des Gewandhaus-Orchesters sprachen und im großen Saal unseren Kanon sangen. Man ist ja schließlich das Musikprofil. Außerdem gaben einige Menschen unserer Klasse ein Radiointerview zum Thema Oper.

Die zwei Stunden vor dem gemeinsamen Abendessen teilten wir uns individuell ein, ob spazieren gehen oder shoppen, um 17:20 waren alle im Restaurant und verdrückten hungrig die Pizzen, Nudeln oder Salate. Oder die Reste einiger Mitschüler:innen, soll ja nichts liegenbleiben.

Also auf in die Oper, das Highlight der Klassenfahrt. „Tosca“ stand auf dem Programm, das passte ganz gut zu unserer derzeitigen Unterrichtseinheit, der Oper. Ich erspare Ihnen mal lange Ausführungen über die Geschichte, am Ende sterben ja eh immer alle. Vielmehr geht es ja um die Inszenierung. Und die war gut: Simples aber effektives Bühnenbild, gute Musiker:innen (eine Abteilung des Gewandhaus-Orchesters), eindrucksvolle Bilder und Engel mit Gewehren, die einen aus dem Schlaf reißen könnten. Obwohl, sparen wir uns mal den Konjunktiv. Nach den anderthalb Stunden saß man also wieder im Bus zurück nach Hause, unterhielt sich, hörte Musik oder summte. Nach dem erfolgreichen Überwinden der Nachttür ging der letzte Tag der Klassenfahrt zu Ende. Morgen ist dann Abreise und offizieller Ferienbeginn. Wir verbrachten also eine schöne letzte Woche vor den Ferien. War aber eigentlich auch klar, wir sind ja schließlich das Musikprofil.

Linus, für die Q2d