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Schiffbruch mit Zuschauer – Hans Blumenberg zum 100. Geburtstag

Geplant war alles ganz anders

Der 100. Geburtstag des Philosophen Hans Blumenberg sollte gefeiert werden!

Mit einer Auftaktveranstaltung im Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung, einer Vorstellung bisher unbekannter Ton-Dokumente, Audio-Mitschnitte von Vorlesungen und eines Dokumentarfilmes, mit einem Festakt im Rathaus; einem literarischen Gespräch in der Gemeinnützigen, einer wissenschaftlichen Tagung, einer Revue in der Petri-Kirche und schließlich mit der Vorstellung der neu herausgegebenen Biografie.

Mitten drin am 28. April 2020 die Veranstaltung: Blumenberg am Katharineum.

Mit dem damaligen Q1-Jahrgang wurde in der Philosophie Fachschaft eifrig geplant und vorbereitet. Die beiden leitenden Fragen waren: Wie war Blumenbergs Zeit als Schüler hier im Katharineum? Wie und womit kann uns der Philosoph heute noch bewegen?

Dann aber kam alles anders, als geplant

Nur die erste Veranstaltung fand tatsächlich statt, alles andere – Corona-bedingt abgesagt!

Blumenberg begleitete die Philosophie-Schüler des Q1 Jahrgangs jedoch weiterhin durch den Lock-down.

In einem Essay-Wettbewerb galt es, sich nun im Home-Office mit Blumenbergs Schrift “Schiffbruch mit Zuschauer” auseinanderzusetzen und einen Bezug zum aktuellen Zeitgeschehen herzustellen.

Wie kann die Metapher der Seefahrt auf das Leben als abenteuerliches Unternehmen übertragen werden?

Wer oder was erleidet hier gerade Schiffbruch?
Wer gehört zur Besatzung des Schiffes – wer ist Zuschauer?
Was denken, fühlen, hoffen die Beteiligten?
Was ist die rettende Planke? – Wie kommen wir ans Ufer? – Und: Wie sieht ein Leben mit/nach dem Schiffbruch aus?

Was ist die Lehre, die man aus dem Unglück ziehen kann?

Blumenbergs Gedanken über das Wagen, das Scheitern und das Zuschauen dabei erhielten mit einem Mal wieder eine unglaubliche Aktualität und wurden zum Stoff eines eigenständigen Reflektierens dessen, was gerade in der Welt mit uns und der Gesellschaft passierte.

Herr Sievers, Frau Ptassek sowie Dr. Cornelius Borck vom Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung sichteten die Ergebnisse und kürten drei Siegerinnnen, deren Texte wir Ihnen hier verlinkt haben:

Wie lang dauert die Reise noch? (Héloïse Willand)

Schiffbruch mit Zuschauern (Lena Steinmetz)

Ist der Schiffbruch unausweichlich? (Saskia Beck)

Dr. Cornelius Borck (Philosoph und Mitveranstalter des Symposiums zu Blumenbergs 100. Geburtstag) gab uns Folgende Rückmeldung:

Das sind wirklich sehr beeindruckende Essays geworden, die diesen Namen sehr wohl verdienen und m. E. gelungene Beispiele dafür sind, wie die Krisensituation gelegentlich zu ganz besonderen Ergebnissen führen kann!

Jeder Essay entwickelt auf eine ganz individuelle Weise seine eigene Thematik und verstrickt sich dabei zugleich auch in eine jeweils ganz eigene Problematik. Ich kann und will mir deshalb nicht anmaßen, unter diesen drei Essays einen Sieger auszuwählen, sondern habe deshalb zu jedem Essay einen eigenen Kommentar geschrieben, der zugleich meine persönliche Rangfolge abbildet, weil der erste mich am meisten angesprochen hat, der dritte zwar vielleicht die stringenteste Konstruktion zeigt, damit aber auch vergleichsweise vorhersehbar zu seinem Schluss führt.

[…]

Herr Borck hätte die drei Autorinnen gerne zu einem Blumenberg-Abend in die St.-Petri-Kirche eingeladen. Doch der wurde leider – man ahnt, weshalb – abgesagt…

 

Schüler*innen des damaligen Q1-Jahrgangs