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30 Jahre deutsche Einheit – bedeuten für mich …

Um genau dieser und weiteren Fragen auf den Grund zu gehen und die Geschichte der Wende und des Mauerfalls zu beleuchten, führten Ende August Schüler*innen der Werkstattschule aus Rostock und des Katharineums zu Lübeck eine Projektwoche zum Thema Aufbrüche und Umbrüche in der Zeit um 1989 durch.

Am Freitag, dem 02. Oktober wurden die Ergebnisse dieser Projektwoche in Schlagsdorf, direkt an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze präsentiert. Eingeladen zu dieser Präsentation waren nicht nur die teilnehmenden Schüler*innen des Projektes und ihre Lehrer*innen – von unserer Schule waren das Schüler*innen der Ea und Herr Philippi – sondern auch die beiden Bildungsministerinnen der Länder Schleswig-Holstein und Mecklenburg- Vorpommern, Frau Prien und Frau Martin.

Diese wurden auch gleich zu Beginn der Veranstaltung befragt, was 30 Jahre deutsche Einheit für sie bedeuten. Nach persönlichen Reflexionen stimmten beide Ministerinnen überein, dass wir gerade in Coronazeiten zusammenhalten müssen und der Tag der Deutschen Einheit ein Ereignis ist, dass an diesen Zusammenhalt erinnert. Zudem berichteten die Ministerinnen, dass in Zukunft das Thema Wende, Mauerfall und deutsche Einheit verstärkt in den Lehrplan der beiden Bundesländer integriert werden soll. Frau Prien wies darauf hin, dass Demokratie geübt werden muss, und zitierte dazu Richard Weizsäcker, der 1989 Bundespräsident war: „Sich vereinen, heißt teilen lernen“.

Nach den Politikerinnen kamen die Schüler*innen zu Wort, zunächst die Schüler der Walther-Lehmkuhl-Schule Neumünster. Die angehenden Mechatroniker hatten sich in ihrem Projekt der Frage gewidmet, ob die Mauer damals wirklich gefallen ist. Anhand von fiktiven Liebesbriefen und modernen konstruierten Chatverläufen versuchten sie darzustellen, dass die Mauer in den Köpfen durchaus noch vorhanden ist.

Danach präsentierte die gemischte Gruppe von Rostocker*innen und Lübecker*innen ihr Projekt. In Gesprächen mit unterschiedlichen Zeitzeugen hatten sie sich mit deren Um- und Aufbrüchen beschäftigt. In ihren Redebeiträgen schilderten die Jugendlichen, nicht nur die Lebensläufe der Zeitzeugen, mit denen sie sich unterhalten haben, sondern auch ihre eigenen Reflexionen darüber, wie diese Gespräche auf sie wirkten und welche Gedankenanstöße ihnen die Gespräche gegeben haben.

Eine Teilnehmerin sagte: „Es ist eine große Chance für Jugendliche, mit Zeitzeugen zu reden, sie bieten einen tiefen und vielfältigen Einblick in die Vergangenheit. Man lernt, die heutige Situation wertzuschätzen, wenn man im Vergleich dazu Zeitzeugen hört.“ In einem weiteren Redebeitrag schilderte eine Schülerin: „Aus dem Gespräch nehme ich mit, dass man die heutige Verfassung und die Demokratie nicht als selbstverständlich hinnehmen soll und sich auch dafür einsetzen und sie bewahren sollte, da schnell alles ganz anders aussehen könnte. Außerdem sollte man immer für sich selbst denken und handeln, auch wenn alle anderen es anders machen. Wenn etwas nicht ist, wie es sein sollte, muss man auch handeln.“ Die Präsentation der Lübecker und Rostocker Schüler*innen zeigte, wie sehr sie die Gespräche mit Zeitzeugen bewegt und bewogen haben, über die deutsch-deutsche Geschichte, aber auch über die Geschichte ihrer Familien nachzudenken und nachzufragen.

Nach den Präsentationen gingen alle Besucher der Veranstaltung zum Grenzhaus in Schlagsdorf, um sich zusammen mit den Ministerinnen die dortige Ausstellung anzusehen. Die dort geführten Gespräche ermöglichten den Lübeckern, sich noch einmal von den Rostockern zu verabschieden, und zeigten, dass die Beschäftigung mit der deutsch-deutschen Geschichte, die auch auf Begegnungen zwischen Ost und West beruhte, sich auf die Wahrnehmung der Gegenwart und des jeweiligen Gegenübers auswirkten.

Die Teilnehmer*innen des Katharineum jedenfalls hoffen, dass das Projekt, das von Frau Gerresheim mit initiiert wurde, auch im nächsten Jahr wiederholt wird.

Laura Davidsmeyer, für die  Ea